Mogens Eliasen Themen

  1. Hundemagen
  2. Konditionierung
  3. Getreide
  4. Fett
  5. Knochen
  6. Vitamin C
  7. Das Kalzium/Phosphor Verhältnis
  8. Mineralien / Chemische Analysen
  9. Salmonellen
  10. Melamin-Skandal

1. Wieso Ihr Hund seinen Magen in unregelmäßigen Abständen richtig füllen muss

Die meisten Hundebesitzer, die ihre Hunde lieben, versuchen, ihnen soviel liebevolle Zuwendung und Pflege zukommen zu lassen, wie sie nur können. Wenn sie dabei allerdings annehmen, dass dem Hund gut tut, was ihnen selbst auch gut tut, begehen sie ein paar furchtbare Fehler… Hunde haben nicht dieselben Mägen wie Affen (und Menschen)!

 

Einige anatomische Tatsachen, die es zu berücksichtigen gilt …

Ein Hundemagen ist elastisch, so wie ein Akkordeon. Im Leerzustand faltet er sich so zusammen, dass er fast wie ein Darm aussieht. Im gefüllten Zustand kann er eine Nahrungsmenge von 7-8% des Körpergewichts des Hundes enthalten! (Bei einem Menschen mit einem Körpergewicht von 60kg entspräche das dem Verzehr von fast 5kg Nahrung zu einer Mahlzeit – aber der menschliche Magen ist ein Beutel, der fast keine Elastizität besitzt – er kann einfach nicht mehr als etwa 10% dieser Menge aufnehmen…)

Weiterhin befinden sich im Hundemagen jede Menge kleine Drüsen, die Verdauungsenzyme produzieren. Diese Drüsen nehmen ihre Arbeit auf, wenn sie mit Nahrung in Berührung kommen. Bei einigen von ihnen ist das der Fall, sobald der Hund etwas Nahrung in den Magen bekommt, aber wegen der zusammenlegbaren Beschaffenheit des Magens kommen die meisten dieser Drüsen erst dann mit Nahrung in Berührung, wenn der Magen so weit ausgefüllt ist, dass alle Falten geglättet werden!

Als erstaunliche Folge daraus ist der Verdauungsvorgang beim Hund leistungsfähiger, wenn er eine große Mahlzeit erhält! Während er auch bei einer kleinen Mahlzeit immer noch einen gewissen Anteil verdauen mag, liegt dieser Anteil bei einer großen Mahlzeit doch sehr viel höher! Hunde, denen fast ausschließlich „vollständige Mahlzeiten“ gefüttert werden (= Mahlzeiten, die den Magen ausfüllen), benötigen im Allgemeinen etwa 20- 30% weniger Nahrung als Hunde, die viele, kleinere Mahlzeiten erhalten. (Für den menschlichen Magen gilt das genaue Gegenteil…)

 

Das höchste der Gefühle für Karnivoren

Ebenso wie andere Karnivoren (Fleischfresser) auch, sind Hunde nicht darauf angewiesen, jederzeit Nahrung zur Verfügung zu haben. Wenn ihr Magen voll ist, oder es erst vor kurzem war, würdigen sie eine mögliche Beute tatsächlich noch nicht einmal eines Blickes. Stattdessen ernähren sie sich sehr sporadisch – wenn Nahrung verfügbar ist, und sie Jagderfolge verzeichnen können. Bei solchen Gelegenheiten schlingen sie und schlagen sich richtig den Bauch voll – und es lässt sich überhaupt nicht abstreiten, dass sie das durch und durch genießen!

Viele Leute machen auch die Erfahrung, dass es eine einfache Methode gibt, einen Hund, der nur schwerlich an neue Nahrung zu gewöhnen ist, zum Fressen zu bewegen: Man gibt ihm zunächst ein wenig von dem, was er bekanntlich gerne mag – danach wird er fast alles fressen, nur um seinen Magen zu füllen! Dies veranschaulicht, dass das Füllen des Magens für einen Hund wichtiger ist als einfach „einen kleinen Happen zu ergattern“.

Dennoch kommen die meisten Haushunde niemals in den Genuss dieser Erfahrung…

 

Den Hund in einem ständigen Hungerzustand halten…

Kaum ein Hundehalter möchte seinen Hund hungern lassen oder ihn ständig hungrig sehen. Nichtsdestotrotz läuft es bei den meisten Leuten genau hierauf hinaus, wenn sie ihren Hund mehrmals täglich füttern, in der Annahme, dies sei für einen Hund ebenso gut wie für einen Menschen.

Der durchschnittliche tägliche Nahrungsbedarf eines ausgewachsenen Hundes beläuft sich auf etwa 2-3% seines Körpergewichts. Wenn man bedenkt, dass 6-8% nötig sind, um den Magen zu füllen, gibt es für einen durchschnittlichen Hund einfach keine Möglichkeit, jemals die erfüllende Befriedigung zu erfahren, die von einem vollen Magen ausgeht… Bei 2-3 kleinen Mahlzeiten pro Tag wird dieses Ziel für ihn immer in weiter Ferne bleiben!

 

Das Fütterungsschema abändern

Nun, Sie können nicht so einfach damit anfangen, den Hund seinen Magen von jetzt auf gleich füllen zu lassen, wenn er nie daran gewöhnt wurde. Das wäre gefährlich (Sie würden eine Magendrehung riskieren, weil das Muskelgewebe nie richtig trainiert wurde und somit viel zu schwach ist). Natürlich steht es auch völlig außer Frage, dies mit Trockenfutter durchzuführen – das ist viel zu stark konzentriert.

Ebenso gilt, wenn Sie Ihrem Hund zu einer Mahlzeit schließlich soviel füttern, wie er möchte, dann können Sie ihm nicht mehr als 3-4 Mahlzeiten pro Woche geben!

Wenn Sie das jedoch durchführen, werden Sie beobachten, wie das „NahrungssucheVerhalten“ verschwindet, und Sie werden sehen, wie Ihr Hund an Gewicht zulegt, falls er zu mager war und Gewicht verliert, falls er zu dick war.

Zusätzlich zu Ihren eigenen Gefühlen, die von der menschlichen Situation ausgehen, müssen Sie noch ein wichtiges Hindernis überwinden, bevor Sie Ihren Hund bedenkenlos 3-4-mal pro Woche vollständige Mahlzeiten fressen lassen können:

  •  Sie müssen die Magenmuskulatur dazu trainieren, das größere Volumen einer Mahlzeit zu bewältigen. Das ist, wie wenn man nach einem Beinbruch fürs Skifahren trainiert, nachdem der Gips abgenommen wurde… Gehen Sie das langsam an, über einen Zeitraum von mindestens 3, vorzugsweise 6 Monaten. (Bitte sehen Sie in meinem Artikel über Konditionierung nach, falls Sie Hilfe dabei benötigen.)

Ich weiß, die Vorstellung, nur noch 3-4-mal pro Woche zu füttern, klingt grausam – aber ganz im Ernst: das ist es nicht. Meine Hunde werden seit über 30 Jahren auf diese Weise ernährt, und ich kann Ihnen sagen: sie genießen ihre Mahlzeiten!!! Aber sie genießen auch die Zeit zwischen den Mahlzeiten. Meine Hunde hatten noch nie Gewichtsprobleme – das regelt sich für jeden einzelnen ganz von selbst. Ich habe buchstäblich hunderten meiner Schüler dabei geholfen, es mir gleichzutun, und alle berichten von denselben großartigen Ergebnissen… ohne eine einzige Ausnahme!

Mogens Eliasen


 

2. Warum es eine schlechte Idee ist, Ihrem Hund eine gleich bleibende Nahrung „pünktlich“ zu servieren…

Karnivoren wie unsere Hunde sind nicht dazu bestimmt, pünktlich gefüttert zu werden. Und sie sind nicht darauf ausgelegt, zu jeder Mahlzeit dieselbe Nahrung zu erhalten. Ihr genetisches Programm ist auf Abwechslung eingerichtet – sowohl in der Nahrungszusammensetzung als auch bei den Fütterungszeiten.

Unglücklicherweise passen sich unsere Hunde auch sehr schnell an einen regelmäßigen Fütterungsplan und eine bestimmte Nahrungszusammensetzung an. Das kann zu großen Schwierigkeiten führen, wenn Sie plötzlich anfangen, vom vertrauten Schema abzuweichen. So könnten Sie beobachten, dass Ihr Hund Galle erbricht und andere Anzeichen deutlichen Unwohlseins zeigt, einfach nur, weil Sie etwas anderes gefüttert haben – oder ihn zu einer anderen Zeit gefüttert haben.

 

Konditionierung auf einen vorhersehbaren Fütterungszeitplan

Angenommen, Sie füttern Ihren Hund jeden Tag um 20 Uhr, dann werden sich alle Organe des Magen-Darm-Systems im Körper des Hundes darauf einstellen, ihren Teil des Verdauungsprozesses um 20 Uhr zu beginnen. Ganz gleich, ob Sie etwas füttern oder nicht! (Pavlows berühmte Experimente vor etwa 100 Jahren liefern den klassischen Beweis dafür…)

Wenn Sie daher inmitten einer langen Tradition beständiger Fütterung zu vorhersehbaren Zeiten plötzlich einen Fastentag einführen, werden Sie Ihrem Hund damit unweigerlich Probleme bereiten! Was soll der Hund mit all den überschüssigen Verdauungssäften anfangen, die der Magen zur vorprogrammierten Zeit produziert hat? Ihm bleibt nur ein Ausweg: sie zu erbrechen, um sie aus dem Organismus zu befördern! Diese Säfte enthalten starke Chemikalien. Wenn keine Nahrung vorhanden ist, um sie zu neutralisieren, können sie den Magen schädigen, indem sie mit der Verdauung des Magengewebes beginnen!

Leider sehen viele Leute solcherlei Beobachtungen als Beweis dafür an, dass es ungesund für den Hund sei, seine Mahlzeiten zu unterschiedlichen Zeiten zu erhalten, ganz zu schweigen davon, einen gesunden Fastentag einzulegen… Ich hoffe, Sie verstehen, wieso es sich dabei um eine fürchterlich falsche Schlussfolgerung handelt!

 

Konditionierung auf eine vorhersehbare Kost

Viele Leute machen ähnlich problematische Erfahrungen, wenn sie versuchen, ihrem Hund etwas Nahrung zukommen zu lassen, an die er nicht gewöhnt ist. Diese Probleme treten besonders offen zutage, wenn Sie Ihren Hund von Trockenfutter auf eine gesündere, rohe, natürliche Kost umstellen möchten. In vielen Fällen löst das beim Hund Erbrechen aus. Und dann glaubt der Besitzer natürlich, das Problem hänge mit der rohen Nahrung zusammen…

Abermals: Falsche Schlussfolgerung.

Trockenfutter besteht im Allgemeinen hauptsächlich aus Kohlenhydraten, die aus Getreide stammen. Kohlenhydrate machen mehr als die Hälfte des Gewichts aus, wenn nicht sogar 70% oder mehr. Aber Getreide steht bei einer natürlichen Ernährungsweise noch nicht einmal auf dem Speiseplan…

Kohlenhydrate können im Hundemagen nur durch Enzyme verdaut werden, die nur bei pH-Werten nahe des Neutralwertes (pH 6-7) richtig funktionieren – und somit sehr weit entfernt vom stark sauren Niveau (pH 1-2), das von jenen Enzymen benötigt wird, die rohes Fleisch verdauen.

Wenn ein Hund darauf „programmiert“ wurde, eine Mahlzeit, die hauptsächlich aus Kohlenhydraten besteht, um sagen wir einmal 20 Uhr zu erwarten, dann wird die Bauchspeicheldrüse große Mengen jener Enzyme herstellen, deren Aufgabe darin besteht, die erwarteten Kohlenhydrate zu verdauen, und der Magen wird den pH-Wert auf ungefähr 6 einregeln. All dies spielt sich jeden Tag kurz vor 20 Uhr ab…

Aber wenn Sie jetzt das ganze System erschüttern, indem Sie rohes Fleisch anstelle der erwarteten Kohlenhydrate füttern, kann der Hund mit dieser großartigen Nahrung gar nichts anfangen – alles ist jetzt auf die Verdauung von Kohlenhydraten eingestellt. Die vom Pankreas und anderen Drüsen produzierten Enzyme sind für diese Nahrung nicht geeignet, und das pH-Niveau im Magen ist auch falsch. Dem Hund bleibt als einzige Abwehrmöglichkeit, alles zu erbrechen und das Problem somit zu beseitigen.

Schuld daran ist nicht die Nahrung, sondern der ehemalige Fütterungszeitplan und die frühere, biologisch unangemessene Nahrungsquelle.

Vorsichtsmaßnahmen beim Planen einer Umstellung auf eine natürliche Ernährungsweise

Bevor Sie Ihren Hund einem solchen Trauma aussetzen, sollten Sie zuerst jene konditionierten Reflexe löschen, die der Hund als Antwort auf Ihre unnatürliche, regelmäßige und vorhersehbare Fütterungsweise entwickelt hat.

Das ist nicht schwer. Sie beginnen einfach, die Zeiten zu variieren, zu denen Sie die „alte“ Nahrung füttern. Verschieben Sie die Zeiten, indem Sie ein paar Tage lang eine Stunde früher füttern. Dann, an manchen Tagen, zwei Stunden früher, an anderen Tagen eine Stunde früher, hin und wieder sogar zur alten Zeit – aber niemals an zwei Tagen hintereinander zur selben Zeit! Im Laufe einiger Wochen füttern Sie immer früher – und gestalten den Zeitpunkt gleichzeitig immer unberechenbarer. Falls der Hund eine Mahlzeit überspringen möchte, lassen Sie ihn einfach. Ihr Ziel besteht darin, Ihrem Hund höchstens 6 Mahlzeiten pro Woche zu füttern, und zwar zu Zeiten, die er unmöglich vorhersehen kann.

Zu Beginn dieser Übergangsphase sollten Sie vermeiden, später als vorhergesehen zu füttern – weil das dem Hund Probleme verursachen würde, wenn Sie ihn nicht zum erwarteten Zeitpunkt füttern… Wenn der Magen aber schon gefüllt ist, wenn die „Essenszeit“ naht, gibt es keine Probleme.

Es braucht nicht viel, um einen bedingten Reflex, wie die Magensaftproduktion zu voraussehbaren Zeiten, zu löschen. Nehmen wir einmal an, Sie haben 100 Wiederholungen gebraucht, um den bedingten Reflex zu etablieren, dann werden 2-5

„Regelverstöße“ ausreichen, um ihn wieder außer Kraft zu setzen. Von daher: Selbst falls Sie Ihren Hund über mehrere Jahre hinweg „programmiert“ haben, wird es nicht länger als ein paar Tage, höchstens ein oder zwei Wochen dauern, bis die alte, gesundheitsschädliche Konditionierung ausgelöscht ist.

Wenn Sie den konditionierten Reflex erst einmal gelöscht haben, der den Organismus auf ein vorhersehbares Mahl vorbereitete, werden Sie keine Probleme mehr erleben, wenn Sie die Ernährung auf eine gesündere, rohe, natürliche Kost umstellen. Der Hund wird dann nämlich nicht länger Enzyme für den erwarteten Verdauungsvorgang herstellen, bevor der Magen erkannt hat, welche Art von Nahrung er zu verdauen hat – und wird sich daher auch nicht mehr verschätzen.

Auch wenn Sie vielleicht beobachten, dass der Hund Speichel produziert, wenn er dem Geruch köstlicher Nahrung ausgesetzt ist, sollte sein Magen nicht mit der Enzymproduktion für die Verdauung beginnen, bevor die Nahrung die Speiseröhre mechanisch passiert hat – und wenn Sie ein unberechenbares Fütterungsschema einhalten, wird das auch so bleiben.

Der größte Nutzen, den Sie daraus ziehen werden, besteht darin, dass der Hund besser dazu in der Lage sein wird, die Verdauung aller Arten natürlicher Nahrung zu bewältigen. Indem man dem Magen nicht erlaubt, „einen Frühstart hinzulegen“ und mit dem Verdauungsprozess schon zu beginnen, bevor die Nahrung dafür tatsächlich vorhanden ist, bleibt er flexibel dafür, die Verdauung der Nahrung anzupassen. Und auf diese Weise halten Sie Ihren Hund bei viel besserer Gesundheit.

Mogens Eliasen


 

3, Getreide in der Hundenahrung oder Nicht?

Handelsübliches Hundefutter wird hauptsächlich aus Getreide hergestellt. Über 2/3 davon besteht aus Getreide. Getreide ist billig und steht in großen Mengen zur Verfügung. Allerdings enthält Getreide im Allgemeinen etwa 90-95% Kohlenhydrate….

Wildlebende Karnivoren (Fleischfresser) haben keinen Zugang zu solchen Mengen von Kohlenhydraten. Und das war auch während des gesamten Zeitraums der Evolution so.

Jeder, der etwas Achtung vor der Natur verspürt, sollte damit ein ernsthaftes Problem haben!

 

Fleischfresser (Karnivore) oder Allesfresser (Omnivore)?

Diese Einteilungen werden künstlich von Menschen vorgenommen. Sie können eine Menge Verwirrung stiften, wenn man versucht, sie strikt anzuwenden. Und Sie begeben sich bis über beide Ohren in logische Widersprüche, wenn Sie glauben, dass Sie diese Einteilungen dazu verwenden können, um irgendwelche, wie auch immer gearteten Schlussfolgerung darüber ziehen zu können, womit Hunde ernährt werden sollten!

Es reicht völlig, wenn Sie erkennen, dass es einige gewaltige Unterschiede zwischen dem gastrointestinalen System des Hundes und dem des Menschen gibt. Ob sich beide innerhalb der Bandbreite der „Omnivoren“ bewegen, oder ob der Hund in Wahrheit zu den „Karnivoren“ gehört, spielt keine Rolle.

Auf diesem Gebiet gibt es nur eine zuverlässige Autorität: Canis Lupus, den Wolf – und seine Ernährungsweise unter natürlichen Umgebungsbedingungen. Hunde und Wölfe sind genetisch gesehen nicht weiter voneinander entfernt als schwarze und weiße Menschen.

Aus diesem Grund besteht die einzig sinnvolle Ernährungsphilosophie in dem Versuch, sich so eng wie möglich daran zu orientieren, womit Mutter Natur ihre Wölfe die ganze Evolution hindurch ernährt hat. Die schlechte Nachricht lautet, dass wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, was das genau sein könnte, abgesehen davon, dass es sich nicht um eine exakte Kopie dessen handelt, was die Wölfe heutzutage in freier Wildbahn fressen, wo ihnen viel mehr Beutetiere zur Verfügung stehen als je zuvor!

Eine weitere unangenehme Tatsache: Ganz gleich, wie die genauen Einzelheiten auch aussehen mögen, wissen wir doch genug darüber, um zu dem Schluss zu gelangen, dass wir sie nicht in Perfektion nachbilden können – die meisten Leute haben ganz einfach keine ganzen, lebenden Beutetiere zur Verfügung… Und Sie möchten Ihrem Hund sicherlich nicht den natürlichen Anreiz dazu bieten, all das Gemüse zu fressen, das er womöglich benötigt: nämlich Hungern….

Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht unseren Verstand einsetzen könnten. Tatsächlich liegen uns genügend Informationen vor, um hinsichtlich der Ernährung unserer Hunde einige sehr sorgfältige Entscheidungen zu treffen. Lassen Sie uns das Verfüttern von Getreide unter diesem Gesichtspunkt erörtern.

 

Die Verwendung von Getreide in handelsüblichem Futter

Es gibt viele triftige Gründe dafür, Getreide zu füttern:

  1. Getreideprodukte sind bei Weitem die billigste Energiequelle, die Sie bekommen können.
  2. Getreideprodukte und ihr hoher Gehalt an komplexen Kohlenhydraten werden für Menschen im Allgemeinen als gesund angesehen, und es ist einfach (aber vollkommen falsch) daraus zu schließen, dass sie auch Ihrem Hund gut tun.
  3. Manche Hunde legen an Gewicht zu (das ist von einigen Leuten erwünscht), wenn sie Getreide fressen.
  4. Zufällig sind Getreideprodukte bei vielen Hunden ebenso begehrt wie Süßigkeiten bei Kindern…..
  5. Viele Hunde scheinen mit beträchtlichen Getreidemengen in ihrer Nahrung gut zurechtzukommen, zumindest 7-10 Jahre lang… Es ist unmöglich, im Einzelfall nachzuweisen, dass es am Getreide lag, dass die Leber oder die Nieren den Hund keine weiteren 3-4 Jahre lang leben ließen….
  6. Die Fütterung kleinerer Getreidemengen als geringfügige Ergänzung erbrachte keine ungünstigen Auswirkungen, und bisher wurde noch nie eine groß angelegte Studie durchgeführt, um zu zeigen, dass sich beträchtliche Getreidemengen in der Hundenahrung in direkten Zusammenhang mit irgendeinem bestimmten Problem bei einem bestimmten Hund bringen lassen.
  7. Es wurden noch nie systematische, wissenschaftliche Langzeitstudien durchgeführt, um die Auswirkungen von Getreide auf Langlebigkeit und „allgemeine Gesundheit“ nachzuweisen. Und Sie können sicher sein, dass kein kommerzieller Heimtierfutterhersteller eine solche Studie finanziell unterstützen würde..

Jedoch folgen hier einige gute Gründe dafür, kein Getreide zu füttern:

  1. Hundeartige in der Natur haben keinen Zugang zu Getreide als einer wesentlichen Nahrungsquelle, abgesehen von den kleinen, halbverdauten Mengen, die sie beim Fressen ganzer Nagetiere mit aufnehmen.
  2. Getreide enthält hauptsächlich komplexe Kohlenhydrate – eine Nährstoffgruppe, die Hunde schlicht und einfach gar nicht benötigen. Allerdings können Hunde diese Kohlenhydrate in Energie umwandeln, um so das Fett zu ersetzen, das sie viel besser nutzen können.
  3. Erhebliche Kohlenhydratkonzentrationen in einer einzelnen Mahlzeit können die Chemie des Verdauungsprozesses empfindlich beeinträchtigen, indem sie den pHWert auf ein Niveau anheben, auf dem die Verdauung roher Nahrung unergiebig wird. Dieser Fall tritt ein, wenn die Kohlenhydratkonzentration in einer Mahlzeit 10% erreicht oder übersteigt.
  4. Viele Hunde verlieren überflüssiges Gewicht, wenn sie getreidefrei ernährt werden – und einige verlieren Gewicht, wenn sie etwas Getreide erhalten.
  5. Getreideprodukte, insbesondere gebackene oder gekochte, hinterlassen einen Belag auf den Zähnen. Der Hundespeichel enthält keine Enzyme, welche die Zähne von diesen Kohlenhydraten reinigen könnten (wie es der menschliche Speichel tut). Im Internet finden sich tausende von Erfahrungsberichten von Leuten, die erlebt haben, wie dieser Belag innerhalb von ein paar Monaten verschwand, als sie ihr Hundefutter auf rohes Fleisch und Knochen umstellten….
  6. Die Lebenserwartung von Hunden, die anstelle einer rohen, natürlichen Nahrung Trockenfutter erhalten, verringert sich um 30%. Trockenfutter besteht üblicherweise zu 65-70% aus Getreideprodukten…
  7. Den meisten Hunden geht es gesundheitlich wesentlich besser, wenn ihre Nahrung überhaupt kein Getreide enthält. Es wurden noch niemals negative Auswirkungen bei Hunden nachgewiesen, die keinerlei Getreide erhalten… Aber die australische tierärztliche Vereinigung hat bestätigt, dass schätzungsweise mindestens 85% aller Hunde in Australien, einschließlich Welpen, an derart ernsten Problemen mit Zahnbelägen leiden (die nur von kohlenhydratreichen Futtermitteln herstammen, sollte ich noch hinzufügen…), dass sie deswegen eigentlich ärztlich behandelt werden müssten.
  8. Diabetes bei Hunden war vor 60 Jahren praktisch vollkommen unbekannt. Heute handelt es sich dabei um eine bei Hunden weit verbreitete Erkrankung. Würden sämtliche Hunde eine Kost mit weitaus weniger Kohlenhydraten erhalten, gäbe es diese Erkrankung nicht…
  9. Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Fütterung von Welpen mit übermäßig viel Kohlenhydraten maßgeblich zur Entwicklung von Hüftgelenksdysplasie und anderen wachstumsbedingten Krankheiten beiträgt. Unter „übermäßig“ werden dabei „20% der Nahrung oder mehr“ verstanden.

 

Wo sich Getreide in das Gesamtbild einer natürlichen Ernährungsweise einfügen ließe

Das Verzwickte dabei ist, dass Hunde tatsächlich ganz gut mit einer Mahlzeit zurechtkommen könnten, die fast ausschließlich aus Getreideprodukten hergestellt wurde, zumindest kurzzeitig!

Das kann für Hunde von Nutzen sein, die ihren Magen schonen müssen (den pH-Wert nahe am Neutralwert zu halten ist weit weniger belastend, als ihn auf stark saures Niveau zu senken). Bei kranken Hunden kann dies manchmal sinnvoll sein. Und schließlich auch bei Arbeitshunden, die für eine bestimmte Leistung, die kurzfristig sehr viel Energie erfordert, einen schnellen Energieschub benötigen.

Und selbstverständlich wird kein gesunder Hund ernsthaft Schaden nehmen, wenn er gelegentlich mal einen Keks bekommt…

Aber als standardmäßiger Bestandteil der normalen Ernährung eines Hundes sollte Getreide keinen Platz haben.

Und schließlich lässt es sich bei Arbeitshunden einsetzen, die für eine bestimmte Leistung, die kurzfristig sehr viel Energie erfordert, einen schnellen Energieschub benötigen.

Aber als standardmäßiger Bestandteil der normalen Ernährung eines Hundes sollte Getreide keinen Platz haben.

Mogens Eliasen


 

4. Warum Fett in der Nahrung nichts „Schlechtes“ ist, wenn man ein Hund ist…

Die meisten Mitglieder unserer modernen Gesellschaft wurden darauf konditioniert zu glauben, Fett sei schlecht– Punkt.

Wenn die Leute dann ihre Hunde gut versorgen möchten, ist es nur allzu leicht, daraus zu schließen, dass für sie dasselbe gilt…

Stimmt aber nicht.

Hunde gehören einer völlig anderen Art an, und ihre Bedürfnisse unterscheiden sich vollständig von denen eines Menschen. Was Ihnen gut tut, könnte Ihrem Hund sehr schaden – und umgekehrt 

 

Rohes Fett kontra verarbeitetes (gekochtes) Fett

Das Fett, das Sie in menschlichen Nahrungsmitteln aus dem Lebensmittelladen oder Supermarkt vorfinden, ist nur sehr selten roh. Wäre es das, wären uns die Probleme, die wir damit haben, vielleicht erspart geblieben! Das verarbeitete Fett verursacht uns eine Menge gänzlich unbestreitbarer Probleme, und doch gibt es erstklassige Beispiele von Eskimos in Nordkanada und Grönland (Dänemark), die reichlich rohes Fett aus Seehunden und Walen verzehren – und sich bester Gesundheit erfreuen! Beachten Sie bitte: rohes Fett…

Erhitzen Sie dagegen einmal etwas Speck in einer Bratpfanne, und lassen Sie das Fett aus. Wenn Sie damit fertig sind, lassen Sie das Fett wieder abkühlen und schauen sich das Ergebnis an. Man muss kein Chemiker sein, um zu dem Schluss zu gelangen, dass es sich bei dem Schmalz, das man auf diese Weise erhält, chemisch gesehen einfach nicht mehr um dieselbe Substanz handelt wie beim rohen Fett! Seine chemische Struktur wurde irreversiblen Veränderungen unterzogen, und diese Veränderungen machen es zu einer völlig anderen Substanz, auch hinsichtlich seines Nährwerts!

Wohlgemerkt, wird das chemisch gesehen immer noch unter „Fett“ eingeordnet, in der Bedeutung von „Ester aus Glycerin und Fettsäuren“ – so die chemische Bezeichnung. Aber die erhitzten Substanzen unterscheiden sich in der chemischen Struktur von jenen, die niemals erhitzt wurden. Nur die unerhitzten kommen in der Natur als Nahrungsquelle vor. Die erhitzten kommen in der Natur schlicht und einfach nicht als Nahrungsquelle vor, und der Körperstoffwechsel kann sie nicht in das zurückverwandeln, was sie vor dem Erhitzen einmal waren

 

Wie Fett im Stoffwechsel des Hundes verwendet wird

Als weiteren wichtigen Punkt gilt es zu beachten, dass der Hundestoffwechsel bezüglich der Fettverarbeitung viel leistungsfähiger ist als der menschliche Stoffwechsel!

Erlauben Sie mir, zur Veranschaulichung ein Beispiel anzuführen: Hunde haben nicht unsere Probleme mit dem Abnehmen. Der menschliche Körper ist schnell dabei, überschüssige Energie in Fett umzuwandeln – und gibt dieses Fett bei geringer Energiezufuhr nur sehr zögerlich wieder frei. Stattdessen verbrennen wir förmlich unser Muskelprotein und lassen die Fettreserven unangetastet… Daher rührt auch das Gefühl der Abgeschlagenheit beim Einhalten einer Diät, und daher funktionieren Diäten im Allgemeinen auch nicht – Sie gewinnen das verlorene Gewicht (und noch etwas mehr) sofort zurück, wenn Sie beginnen, wieder „normal“ zu essen.

Bei Hunden ist das nicht der Fall. Hunde fühlen sich nicht matt, wenn sie eine Mahlzeit auslassen, oder auch zwei oder drei. Wäre das der Fall, hätten sie als Jäger keine Überlebenschance. (Es kann aber sein, dass sie Ihre Versuche, sie fasten zu lassen, gar nicht zu schätzen wissen – doch das liegt ausschließlich an den Gewohnheiten, die Sie eingeführt haben, und die jetzt ihre Erwartungshaltung begründen.)

Ich habe erlebt, wie meine Rüden freiwillig bis zu 12 Fastentage einlegten, wenn meine Hündin läufig war. Diese Rüden haben bestimmt nichts an Energie eingebüßt – nur an Gewicht. Und sie legten in nur drei Wochen rasch genau das verlorene Gewicht wieder zu, wenn die Läufigkeit vorüber war. Und ich habe beobachtet, dass meine Such- und Rettungshundeteams deutlich bessere Arbeit leisteten, wenn die Hunde mit leerem Magen arbeiteten! Sogar mehrere Tage am Stück. Kein Mensch könnte so etwas leisten…

 

Stellen Sie Fett für die Arbeit zur Verfügung – keine Kohlenhydrate

Viele Leute haben Berichte darüber gelesen, dass das Verfüttern von Fett zu Leber- und Nierenproblemen führen soll. Allerdings wurden diese Studien entweder für Menschen durchgeführt, oder sie verwendeten gekochtes Fett als Grundlage (oder beides), so dass sie für unsere Hunde keinerlei Bedeutung haben. Ich persönlich habe wegen dieser Leber- und Nierenprobleme andere Übeltäter im Verdacht: Impfungen, Flohschutzmittel, Herzwurmmittel, Wurmkuren, Shampoos – es gibt eine lange Liste gefährlicher Chemikalien, die auch Personen ohne chemische Sachkunde zur Verfügung stehen …

Auch unter Leuten, die ihre Hunde schwere körperliche Arbeit verrichten lassen (wie Schlittenhunde, Such- und Rettungshunde, etc.) ist es eine weit verbreitete Erfahrungstatsache, dass die Hunde viel bessere Leistungen zeigen, wenn sie zusätzliche Fettgaben mit ihrer Nahrung erhalten. Kein zusätzliches Protein, und ganz bestimmt keine zusätzlichen Kohlenhydrate. Sondern Fett. Das genaue Gegenteil dessen, was für Menschen gut wäre. Zu viel Protein kann zu allergischen Problemen führen. Getreideprodukte (unsere wichtigste Quelle für Kohlenhydrate und Energie) verursachen Probleme bei der Verdauung anderer Nahrungsbestandteile und gehören überhaupt nicht zu einer natürlichen Ernährung.

Das macht Fett zur einzig verantwortbaren Wahl, um zusätzliche Energie zur Verfügung zu stellen.

Natürlich roh…

Mogens Eliasen


 

5. Wieso das Kochen von Hundenahrung zu Allergien und Mangelernährung führen kann…

Hat jemals jemand einen Wolf dabei beobachtet, wie er an einem Lagerfeuer sitzt und sein Essen kocht?

Wenn wir Nahrungsmittel erhitzen, nehmen wir drastische Veränderungen an ihrer chemischen Zusammensetzung vor. Menschen kochen ihre Nahrung, weil wir gerne Nahrung verzehren möchten, die von der Biologie her nicht für uns vorgesehen ist. Wir können kein rohes Fleisch verdauen – aber mit dem gekochten Fleisch kommen wir zurecht…

Hunde sind Karnivoren (Fleischfresser). Sie sind dazu bestimmt, rohes Fleisch zu verdauen – aber mit gekochter Nahrung kommen sie nicht sonderlich gut zurecht…

 

Die chemischen Vorgänge bei der Verdauung verstehen

Proteine sind riesige Moleküle – sie setzen sich aus tausenden von Atomen zusammen. Sie sind so groß, dass sie die semipermeablen (halbdurchlässigen) Zellwände der Därme nicht passieren und in den Blutstrom übergehen können. Sie müssen zuerst zu kleineren Molekülen abgebaut werden, manchmal bis zu den eigentlichen Bausteinen der Proteine – den Aminosäuren (die üblicherweise aus etwa 10-100 Atomen bestehen). Allerdings geht der Verdauungsprozess in den meisten Fällen gar nicht so weit. Der Körper kann nicht alles aus Aminosäuren aufbauen. Somit bilden die „Proteinbruchstücke“, die durch den Verdauungsprozess erzeugt werden, einen ganz fein abgestimmten „Kompromiss“ zwischen ganzen Proteinmolekülen (die zu groß und zu komplex sind, um nützlich zu sein) und einfachen Aminosäuren (die zu klein und zu einfach aufgebaut sind, um nützlich zu sein).

Diese „Proteinbruchstücke“ (üblicherweise bestehend aus ein paar hundert Atomen) sind sehr artspezifisch. Sie verkörpern ein ganz subtiles Gleichgewicht zwischen den Nährstoffen, die der Körper braucht und gut verwerten kann und den konkreten chemischen Vorgängen, die von den Enzymen im Magen ermöglicht werden, wenn sie Zugang zu natürlicher Nahrung erhalten.

Sie können sich ein Enzym als „eine Hand“ vorstellen, die ein Stück des großen Proteinmoleküls ergreift und dieses Stück abbricht. Dieses Stück wird nun zu einem „Proteinbruchstück“ mit einer ganz einzigartigen chemischen Struktur. Das Enzym setzt diese Arbeit fort, bis das Protein keine weiteren Teile mehr enthält, die es ergreifen kann.

Es gibt tausende von Enzymen. Jedes davon ist einzigartig. Jedes greift einen ganz speziellen Teil eines Proteins an. Jedes Enzym muss sein passgenaues Gegenstück finden, um es aus dem Proteinmolekül „herauszubrechen“.

Alle Enzyme zusammen bewirken, dass die Proteine in „Proteinbruchstücke“ zerlegt werden, die klein genug sind, um absorbiert und durch das Blut weiterbefördert zu werden, und sie sind ausgesprochen einzigartig und für die Bedürfnisse des Körpers maßgeschneidert. Jedes Enzym stellt sein eigenes „Bruchstück“ aus einer passenden Nahrungsquelle her. Falls die Nahrungsquelle nicht passend ist, kann es nichts herstellen, auch wenn die Nahrung scheinbar „alle grundlegenden Nährstoffe“ in Form aller richtigen Aminosäuren enthält…

 

Erhitzen von Proteinen – Aufbrechen der Struktur

In gewisser Weise ähnelt dieser enzymatische Abbauprozess den Vorgängen beim Erhitzen eines Proteins. Hitze bedeutet allgemein „Zufuhr molekularer Energie“. Die Proteinmoleküle nehmen diese Energie auf, indem sie sich bewegen. Sie vibrieren und rotieren. Je größer die Hitze, desto schneller bewegen sie sich.

Nun, wenn Sie anfangen, eine riesige, „schwerfällige“ Molekülstruktur wie ein Protein zu erschüttern und in Schwingungen zu versetzen, wird sie in ihre Einzelteile zerfallen! Buchstäblich. Wenn Sie diese Teile wieder abkühlen, finden sie nicht wieder zusammen, da sie voneinander getrennt wurden… daher rührt die irreversible Strukturveränderung beim Kochen.

Viele dieser Stücke, die durch den Erhitzungsvorgang erzeugt wurden, sind jetzt klein genug, um durch die Darmwand aufgenommen zu werden, so dass sie in die Blutbahn gelangen. Andere werden noch Teile zurückbehalten, die durch einige der Enzyme angemessen bearbeitet werden können, zumindest teilweise. Einige davon werden sogar identisch mit einigen jener Teile sein, die von den Enzymen im Alleingang hergestellt werden – aber das ist die seltene Ausnahme…

All diese Bruchstücke könnten dem Körper immer noch, bis zu einem gewissen Grad, von Nutzen sein. Er könnte in der Lage sein, Möglichkeiten zu finden, diese „ungewöhnlichen“ Teile zu nutzen, die zusätzlich zu denjenigen produziert werden, die mit den Produkten des enzymatischen Verdauungsprozesses identisch sind. Allerdings könnte das eine gewisse Belastung darstellen…

Das Problem liegt in der Mischung aus Proteinfragmenten, die durch die Kombination aus Kochen plus enzymatischer Verdauung entsteht und NICHT mit den Produkten der reinen enzymatischen Verdauung übereinstimmt…

Es ist belegt, dass mehrere lebenswichtige Bestandteile darin fehlen (mindestens 30 solcher „Proteinfragmente“, deren chemische Struktur bekannt ist, und die als „fehlende Glieder“ – „missing links“ bezeichnet werden, wurden für Hunde als lebenswichtig erkannt, genauso wie es die Vitamine für uns sind – und diese „fehlenden Glieder“ kommen in wärmebehandeltem Fleisch nicht vor.)

 

Warum manche Hunde von gekochtem Fleisch Allergien bekommen…

Es werden auch Bestandteile erzeugt, die zwar nicht zum Körperstoffwechsel passen, aber klein genug sind, um ins Blut aufgenommen zu werden… Dabei könnte es sich sehr wohl um Allergene handeln!

Das Risiko hierfür liegt besonders hoch, weil durch Erhitzen viele identische „Proteinfragmente“ erzeugt werden – die somit in großen Konzentrationen vorkommen. „Groß“ verglichen mit dem, was der Körper bewältigen kann, soweit seine Fähigkeiten reichen, mit ungeeigneten Proteinen umzugehen. Es braucht nicht viel, um den Schwellenwert zu übersteigen, ab dem das Immunsystem „alarmiert“ darauf reagiert – und infolge der Fütterung von gekochtem Fleisch erhalten Sie einen Allergieausbruch, bei dem es sich tatsächlich um nichts anderes handelt als um eine Überreaktion des Immunsystems auf eine körperfremde Substanz, mit der es einfach nicht umgehen kann…

 

Koagulation

Es gibt noch einen weiteren großen Unterschied zwischen roh und gekocht. Viele Proteine zerfallen beim Erhitzen nicht nur in kleinere Teile, sondern diese kleineren Teile verbinden sich in bestimmten Fällen wieder miteinander und bilden dabei eine Substanz, die einem Kunststoffpolymer ähnelt. Auf diese Weise wird das ursprüngliche Protein in ein anderes riesiges Makromolekül umgewandelt, von dem nicht bekannt ist, ob die Enzyme leicht daran andocken können oder nicht.

Ein ähnlicher Vorgang spielt sich beim Austrocknen ab.

Klassische Beispiele dafür sind Eigelb und Blut. Beim Erhitzen gerinnt (koaguliert) Eigelb zu einer festen Masse, die immer noch viele der ursprünglichen Bausteine des rohen Dotters enthält, aber eben nicht mehr alle. Darüber hinaus wird die Struktur durch diese Polymerisation völlig verändert, und es gibt keine Möglichkeit, das ursprüngliche Eigelb jemals zurückzugewinnen….

Bei Blut ist das ähnlich, nur dass hier die Gerinnung durch den kombinierten Effekt von Austrocknung und Kontakt mit dem Luftsauerstoff verursacht wird. Wie jede Mutter weiß, verflüssigen sich Blutflecken auch dann nicht wieder, wenn man versucht, Wasser hinzuzufügen…

 

Wie sich all dies in der Summe auswirkt

Die thermische Zersetzung wirkt sich in mancherlei Hinsicht auch vorteilhaft aus: Bestimmte Teile des Verdauungsvorgangs werden buchstäblich einfacher und weniger anspruchsvoll für die Enzyme, da ihre Aufgabe, die großen Proteinmoleküle in der Nahrung abzubauen, bereits durch das Kochen teilweise erledigt wurde. Als Preis dafür muss man aber Abstriche hinsichtlich der verfügbaren Nährstoffe hinnehmen, sowie die Entstehung anderer Stoffe, die als Nahrung womöglich völlig ungeeignet sind… Für Menschen, die von Natur aus keine Karnivoren sind, aber dennoch Fleisch essen möchten, sind das großartige Neuigkeiten – das ermöglicht uns, Fleisch zu verzehren! Aber für einen Hund, der dazu bestimmt ist, rohe Nahrung zu verarbeiten, ist das ganz und gar schädlich.

Koagulation allein reicht schon aus, um zu erklären, wieso bestimmte Nährstoffe „verschwinden“, wenn man Nahrungsmittel kocht. Aber beide Arten von Vorgängen wirken darauf hin. Ich persönlich glaube, dass die Gesamtwirkung auf einer Kombination aus beidem beruht.

Die Schlussfolgerung ist dann ja wohl offensichtlich: Kochen Sie die Nahrung Ihres Hundes nicht!

Mogens Eliasen


 

6. Warum es nicht immer sinnvoll ist, die Ernährung Ihres Hundes mit Vitamin C zu ergänzen… 

Die Forschung hat gezeigt, dass sowohl bei Hunden als auch bei Menschen eine große Überdosis Vitamin C das Immunsystem erheblich ankurbeln und dem Körper zu einem schnellen Abheilen vieler Verletzungen verhelfen kann. Für Menschen wurde sogar nachgewiesen, dass eine dauerhafte große Überdosis von etwa 5,000 -10,000 mg/Tag vorbeugend gegen etwa 90% aller wesentlichen Erkrankungen helfen kann, an denen Menschen sterben.

Von daher mag die Schlussfolgerung Sinn machen, dass zusätzliches Vitamin C für Menschen von Vorteil ist. Aber es macht keinen Sinn, dieselbe Schlussfolgerung für Hunde zu ziehen…

 

Die körpereigene Vitamin C (Ascorbinsäure)-Produktion beim Hund

Der Hundekörper stellt täglich etwa 40 Milligramm dieses Vitamins pro Kilogramm Körpergewicht her – oder 18 Milligramm pro Pfund, falls es sich um einen amerikanischen Hund handelt. Ein 20kg-Hund produziert somit eine Menge, die etwa zwei großen Tabletten (500 Milligramm) täglich entspricht! Ein Hund von der Größe eines Menschen würde täglich etwa 6-8 dieser großen 500mg-Tabletten produzieren – eine gewaltige Dosis, selbst wenn man es am menschlichen Bedarf misst!

An dieser Stelle ist es wichtig, sich klar zu machen, dass diese Produktion zu einer konstanten Ascorbinsäure-Konzentration im Blut führt. Das bedeutet, dass alle Zellen und Organe im Hundekörper an diese gleich bleibende Versorgung mit kleinen Konzentrationen, die nie sonderlich stark schwanken, gewöhnt sind (und auch darauf angewiesen sind).

 

Ein wenig grundlegende Körperchemie

Um dies begreifen zu können, müssen Sie ein paar Grundlagen der Chemie verstehen. Betrachten wir zwei chemische Substanzen, A und B, die miteinander reagieren, um die Produkte C und D zu erzeugen. Chemiker stellen das gern wie folgt dar:

A + B → C + D

Aber die meisten chemischen Reaktionen können tatsächlich auch in umgekehrter Richtung ablaufen. Wenn wir C etwas D hinzufügen, werden diese beiden miteinander reagieren und etwas A und B erzeugen:

C + D ← A + B

Dies spielt sich immer dann ab, wenn wir ein chemisches Gleichgewicht vorliegen haben. Und darunter fallen die meisten Vorgänge im Körper. Es sind fein aufeinander abgestimmte Gleichgewichte, die in beiden Richtungen ablaufen können, je nachdem von welchen Chemikalien ein Überschuss existiert und welche unterrepräsentiert sind. Dies wird durch Doppelpfeile veranschaulicht, um darauf hinzuweisen, dass die Reaktion je nach Lage der Dinge in beiden Richtungen ablaufen kann:

A + B ↔ C + D

Folgendes spielt sich dabei auf der molekularen Ebene konkret ab: Jedes Mal, wenn ein Molekül von A auf ein Molekül von B trifft, können sich die beiden entweder miteinander verbinden und C und D ergeben – oder wieder als A und B auseinander gehen. Dasselbe gilt für C und D. Wenn zwei Vertreter davon aufeinander treffen, können sie miteinander reagieren und A und B wiederherstellen. Aber sie könnten auch C und D bleiben. Das hängt von der Beschaffenheit der Spezies A, B, C und D ab.

Ein Gleichgewichtszustand liegt vor, wenn wir keinerlei Veränderungen der Gesamtkonzentrationen jedes der vier Stoffe mehr messen können. Dieses Gleichgewicht wird durch die gleich bleibenden chemischen Aktivitäten aufrechterhalten, die von den zwei genau gegenläufigen Reaktionen ausgehen.

Jedes Gleichgewicht kann mengenmäßig auf eine Weise dargestellt werden, die dem Messen der Schwerkraft entspricht (und auch ebenso grundlegend ist!), wenn wir berücksichtigen, dass die Energie in der Chemie mit der Konzentration zusammenhängt, nicht mit der Masse:

 

[A ]*[B] : [C]*[D] = Konstante, die für dieses Gleichgewicht charakteristisch ist.

Das Einklammern einer chemischen Spezies dient Chemikern herkömmlicherweise zur Darstellung der Konzentration dieser Spezies.

Nach Erreichen des Gleichgewichtszustands können wir uns anschauen, was passiert, wenn wir der Vierermischung mehr A hinzufügen: Dies wird die Chancen deutlich erhöhen, dass ein B-Molekül auf ein A-Molekül trifft, so dass wir eine größere Wahrscheinlichkeit dafür erhalten, dass B-Moleküle mit A-Molekülen reagieren. Im Ergebnis wird unsere Zugabe von A einen Großteil des verbliebenen B aufbrauchen – und mehr C und D erzeugen!

Das können Sie auch der Mathematik entnehmen: Wenn Sie [A] erhöhen, und die Natur darauf besteht, dass die Konstante konstant bleibt, dann muss etwas passieren, um den nun zu hohen Betrag des Bruchs zu verkleinern! Als einzige Möglichkeit kommt entweder eine Zunahme von [C] oder von [D] oder von beiden in Frage. Das bedeutet, die chemische Reaktion muss jetzt in einer Richtung ablaufen, die mehr davon erzeugt. Aus demselben Grund ergibt sich auch eine Verringerung von [B]….

Wenn wir aber stattdessen eine große Menge C hinzufügen, wird sich der Ablauf „umkehren“, und das überschüssige C wird mit einem Großteil von D reagieren, um sowohl mehr A als auch mehr B zu erzeugen.

Somit lautet die Quintessenz: Wenn wir C hinzufügen, erhalten wir im Ergebnis eine Abnahme von D im Körper!

Hat da jemand „Ups“ gesagt?

 

Ein wenig grundlegende Physiologie…

In der Natur gibt es eine Grundregel, die besagt: „Nutze es – oder verliere es“. Diese Regel gilt eindeutig für die Fähigkeit jeglicher Organe, irgendetwas zu bewirken, z.B. eine Arbeitsleistung zu erbringen, unabhängig davon, ob als Ergebnis Energie oder interne Chemikalien anfallen. Jeder Sportler kennt diese Regel: Wer seine Muskeln nicht arbeiten lässt, verliert seine Kraft. Jeder, der schon einmal eine Gliedmaße im Gips hatte, kann bezeugen, wie schnell das geschieht.

In der Medizin ist sie ebenfalls wohlbekannt. Wenn Sie dem Körper irgendeine Substanz künstlich zuführen, die er eigentlich selbst erzeugen sollte, wird der Körper seine interne Produktion einstellen und sich stattdessen von der externen Versorgung abhängig machen! Der Einsatz von Spritzen mit Hormonen und Steroiden, die auch vom Körper selbst hergestellt werden, ist eine äußerst zweifelhafte, wenn nicht sogar geradezu gefährliche Angelegenheit, ganz gleich wie vorteilhaft sich das auf kurze Sicht auswirken kann. Ein solches Beispiel ist der Einsatz von Kortison zur Bekämpfung von Entzündungen – wird er über Monate hinweg fortgesetzt, kann er dazu führen, dass die Nebennieren ihre gesamte Produktion einstellen… Und die Nebennieren stellen nicht nur Kortison her.

Dies könnte durchaus mit dem Grund zusammenhängen, wieso Menschen im Gegensatz zu Hunden auf eine externe Vitamin-C-Zufuhr angewiesen sind. Als Nachfahren früchtefressender Affen hatten die Menschen ein mehr als ausreichendes externes Angebot über ihre Nahrung zur Verfügung. Daher müssen unsere Körper dieses Vitamin nicht selbst herstellen – solange wir nicht aufhören, Früchte und frisches Gemüse in angemessenen Mengen zu verzehren…

 

Das Problem mit Ergänzungen…

Die schlechte Nachricht lautet, dass uns die konkreten chemischen Reaktionen im Hundekörper, durch die Ascorbinsäure erzeugt wird, welche wir als Substanz C in unserem obigen Beispiel einsetzen könnten, nicht in allen Einzelheiten bekannt sind. Wir wissen auch nicht, welche anderen Chemikalien bei diesem Vorgang neben der Ascorbinsäure noch entstehen – die Ds sind nicht bekannt. Einige davon könnten jedoch für den Stoffwechsel des Hundes sehr wichtig sein – wir wissen es einfach nicht!

Was wir aber wissen, egal worum es sich bei diesen Ds handelt, ist, dass ihre Produktion eingestellt werden wird, wenn wir der Ernährung unseres Hundes bedeutende Mengen an Vitamin C zusetzen! Und wir wissen, dass die eigene Fähigkeit eines Hundes, Vitamin C herzustellen, erlöschen wird, wenn wir ihm laufend Vitamin C zuführen, vielleicht für immer.

Weiterhin wissen wir, dass Leber und Nieren des Hundes plötzliche und sehr hohe Konzentrationen von Ascorbinsäure gar nicht zu schätzen wissen. Sie leiten umgehend entsprechende Maßnahmen ein, um den Körper von diesem überschüssigen Gift zu befreien, und schon wenige Minuten später lässt sich die Nierentätigkeit im Urin nachweisen! Nach ein paar Stunden haben diese inneren Organe die Lage wieder „normalisiert“ und den ganzen Überschuss entweder in der Leber abgebaut oder über die Nieren ausgeschieden – was für diese Organe eine deutlich erhöhte Arbeitsbelastung darstellt, für die sie gar nicht ausgelegt sind.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auch, dass eine langfristige Zufuhr von überschüssigem Vitamin C bei Hunden im Ergebnis zu Nieren- und Leberschäden führen kann, die manchmal tödlich enden können… Dies sollte wirklich niemanden überraschen, der etwas von der daran beteiligten Chemie versteht.

 

Die Dinge ins rechte Licht rücken

Nun sind 40 mg/kg/Tag eine ganze Menge… Egal, wie viel frisches Obst Sie Ihrem Hund auch füttern, werden Sie niemals mehr als ein paar Prozent davon erreichen! Daher wird die Fütterung von frischem Obst keine Stilllegung der körpereigenen Produktion verursachen. Und sie kann auch nicht zu einer Überlastung von Leber oder Nieren führen. Tatsächlich wird eine derartige Zufuhr einfach nur eine kleine Störung des Körpergleichgewichts bewirken, worauf sich dieses einfach ein wenig verschieben wird, so dass die eigene Produktion geringfügig verringert wird. Im Endergebnis bleibt die Ascorbinsäurekonzentration im Blut dadurch dieselbe. Das ähnelt den Vorgängen, die sich abspielen, wenn einer pH-gepufferten Lösung eine kleine Menge Säure hinzugefügt wird.

Indes konnten viele Leute großartige Auswirkungen beobachten, wenn sie Vitamin C Ergänzungsmittel in hoher Dosierung einsetzten, um ein konkretes Problem in den Griff zu bekommen, wie einen Infekt oder eine Verletzung, und schließen dann daraus, dass es großartig sei, damit weiterzumachen….

Vorübergehend können Nahrungsergänzungen angebracht und sinnvoll sein. Die Ergänzungsmittel wirken dann wie Medizin: Sie helfen dem Körper dabei, ein vorübergehendes Problem zu bekämpfen – mit dem Risiko unangenehmer Nebenwirkungen, und bei fortgesetzter Anwendung mit der sicheren Belastung durch langfristige Schäden.

Die Gesetze der Chemie, die hier hineinspielen, sind ebenso grundlegend wie die Schwerkraft – es gibt KEINE AUSNAHMEN! Die Gefahr besteht natürlich darin, dass Sie die Auswirkungen der Stilllegung vielleicht nicht unmittelbar bemerken werden – tatsächlich werden Sie sie vielleicht erst viele Monate oder Jahre später bemerken, und dann werden Sie keinen Anhaltspunkt für eine Verbindung zwischen dem Problem und Ihrer Zufütterung eines unnötigen Wirkstoffes mehr finden.

Das heißt auch, dass sich die Frage nach einer lebenslangen Verabreichung von Vitamin C an bestimmte Rassen gar nicht erst stellen sollte: Falls Hunde das wirklich benötigen, sollte nicht mit ihnen gezüchtet werden!

Das Fazit aus alledem lautet, dass Sie der Hundenahrung erst GAR KEIN Vitamin C hinzufügen sollten, es sei denn, Sie können das mit der Verfolgung eines sehr speziellen, akuten Ziels begründen (im Falle einer Infektion, einer Verletzung). In diesen Fällen unterstützen Sie Ihren Hund bitte durch ein paar Gaben großer Mengen Vitamin C dabei, die Infektionen schneller zu bekämpfen, aber nur für die Dauer einiger weniger Tage bis zur Genesung – und stellen die Zugaben dann wieder ein! Setzen Sie es so ein, wie Sie das bei sich selbst mit der Einnahme von Antibiotika handhaben.

Mogens Eliasen


 

7. Das Kalzium/Phosphor Verhältnis in einer rohen Hundekost ausgleichen

Die meisten Hundehalter, die ihre Hunde roh und natürlich ernähren, werden über das Kalzium/Phosphor-Verhältnis Bescheid wissen. Dieses Verhältnis ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit des Hundes. Viele Hundehalter greifen sogar auf Ergänzungsmittel zurück, vor allem mit Kalzium, „nur um auf Nummer Sicher zu gehen“. Zum Pech für die Uninformierten ist die Annahme „wenn etwas gut ist, dann muss mehr davon noch besser sein“ überhaupt nicht zutreffend, wenn sie auf die Körperchemie eines Lebewesens angewendet wird…

 

Das Problem mit chemischen Analysen…

Die „Nährstoffanforderungen”, die Sie offiziellen Tabellen entnehmen können, sowie die veröffentlichten Werte für „das optimale Verhältnis“ von Kalzium und Phosphor sind gefährliche Richtlinien für die Fütterung…

Das liegt daran, dass eine chemische Analyse des Kalziumgehalts und des Phosphorgehalts der Nahrung Ihnen nicht die ganze Wahrheit über das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Nährstoffen verrät. Was Sie mithilfe chemischer Standardanalysen messen können, und was für den Körperstoffwechsel wirklich von Bedeutung ist, sind zwei Paar Schuhe… Die chemische Analyse liefert die Gesamtkonzentration der chemischen Elemente, unabhängig davon, in welcher Art von Verbindung sie vorliegen. Für den Körper kommt es darauf an, dass alle unterschiedlichen chemischen Verbindungen vorhanden sind, die das fragliche Element enthalten, und zwar in der richtigen, ausgewogenen Zusammensetzung und in der richtigen chemischen Umgebung. Das ist ganz gewiss nicht dasselbe wie die Gesamtkonzentration!

Zunächst einmal ist Kalzium ein Metall – und überaus giftig…. In chemischen Verbindungen liegt Kalzium nicht als Metall an sich vor, sondern in Form von Ionen, die aus Metallatomen bestehen, die jeweils zwei Elektronen abgegeben haben und somit positiv geladen sind. Dadurch werden sie von negativ geladenen Ionen angezogen, an die sie sich mehr oder weniger stark binden, in Abhängigkeit von vielen chemischen Bedingungen…

Für den Körper geht es um die verfügbaren Ionen. Sowohl um die Kalziumionen als auch um die negativ geladenen Ionen, die damit einhergehen. Und diese Verfügbarkeit hängt entscheidend von sehr komplizierten chemischen Sachverhalten ab, die sich nicht aus der Kenntnis der Gesamtkonzentration an Kalzium ableiten lassen…

Dann zum Phosphor: Das ist sogar noch komplizierter. Die Einnahme elementaren Phosphors ist ganz bestimmt nicht gesund! Phosphor tritt natürlicherweise in vielen Arten negativ geladener Ionen auf, so in allen möglichen Phosphaten, in denen der Phosphor direkt an Sauerstoff gebunden ist. Aber Phosphor bindet sich auch an Kohlenstoff in Proteinen – auf unzählige Arten und Weisen… Jede dieser vielen Spielarten von Phosphor tritt im Körper innerhalb eigener chemischer Gleichgewichte auf, und diese Gleichgewichte stehen üblicherweise in keinerlei Verbindung zueinander!

Anders ausgedrückt: Aussagen über den „Gesamtphosphorgehalt“ oder den „Gesamtkalziumgehalt“ (die Sie gemeinhin über billige chemische Standardanalysen erhalten) sind völlig bedeutungslos, wenn nicht sogar gänzlich irreführend. Alles, was Sie einer solchen Analyse entnehmen können, ist, dass vielleicht hinreichende Mengen aller vom Körper benötigten Formen des fraglichen Elements vorliegen, vielleicht aber auch nicht, es sei denn, die ermittelte Menge ist zu gering, um das zu gewährleisten. In solch einem Fall können Sie folgern, dass „etwas fehlt“, aber Sie haben keinen sachdienlichen Hinweis darauf, was eigentlich fehlt.

Wenn Sie künstliche Zutaten verwenden, kann es leicht passieren, dass die chemische Analyse ergibt, dass die Konzentrationen „in Ordnung“ sind – aber in Wirklichkeit werden dadurch womöglich keine nutzbaren Mengen verfügbarer Nährstoffe wiedergegeben. Ein Beispiel: Kalkstein enthält beträchtliche Mengen an Kalzium und wird sich in einer chemischen Analyse mit seinem hohen Kalziumgehalt niederschlagen. Aber Kalkstein ist nahezu unverdaulich, daher wird fast sein gesamter Kalziumgehalt über den Kot genauso wieder ausgeschieden, wie er aufgenommen wurde….

Wenn Ihre Kalzium- und Phosphorquellen dagegen aus roher, natürlicher Nahrung bestehen, dann haben Sie gute Aussichten, diese beiden Elemente in einer ausgewogenen Mischung chemischer Verbindungen bereitzustellen, die verdaulich und dem Stoffwechsel zugänglich sind.

 

Probleme mit der Überversorgung aus künstlichen Quellen…

Die Aussage „Auch wenn Nahrungsergänzungen vielleicht nicht viel nützen werden, so können sie zumindest nicht schaden“ ist leider falsch, wenn es sich dabei um mineralische Nährstoffe handelt.

Zur Veranschaulichung liefert uns Kalzium das leicht verständlichste Beispiel.

In Knochen ist Kalzium fest an die Knochenstruktur gebunden, die außerdem noch aus Phosphationen besteht. Das bedeutet, selbst wenn der Hund eine große Knochenmenge erhält, bleibt die Gesamtkonzentration der Kalziumionen im Magen sehr niedrig, und das völlig unabhängig von der Knochenmenge. Aber sowie diese verfügbaren Kalziumionen durch die Wände des Magen-Darm-Systems aufgenommen werden, werden weitere Kalziumionen aus den Knochen freigesetzt. Mit anderen Worten: Die Natur sorgt dafür, dass das Kalzium über einen beständigen Nachschub mit einer sehr geringen, gleich bleibenden Kalziumionenkonzentration zur Verfügung gestellt wird! Dieser Nachschub bleibt immer gleich, unabhängig von der Knochenmenge, die der Hund zu sich nimmt – er hängt überhaupt nicht von der Gesamtmenge an Kalzium ab, es sei denn, der Nachschub fiele zu knapp aus!

Es gibt aber noch weitere chemische Verbindungen, die für den Körper des Hundes von Bedeutung sind. Andere Spurenelemente wie Kobalt, Kupfer, Mangan, Titan, Vanadium und viele weitere Metallionen, in der Form, wie sie durch ihre natürlichen chemischen Verbindungen bereitgestellt werden, sind ebenso wichtig, auch wenn sie in viel geringfügigeren Mengen benötigt werden.

Die schlechte Nachricht lautet, dass viele davon hinsichtlich ihrer Chemie gewisse Ähnlichkeiten zum Kalzium aufweisen. Das heißt, dass sie in gewisser Weise mit dem Kalzium konkurrieren, um über ihre maßgeschneiderten Absorptionskanäle Zugang zum Körper zu erlangen. Diese Kanäle sind zwar ziemlich selektiv, unterscheiden aber nicht zu 100% zwischen den verschiedenen Ionen. Manchmal kann ein anderes Metall den eigentlich vorgesehenen Metallionen den Zugang versperren, indem es einfach für großen Andrang vor dem Eingang sorgt!

Genau das spielt sich ab, wenn der Hundemagen plötzlich mit einer übermäßig hohen Kalziumionenkonzentration konfrontiert wird. Dadurch wird die Aufnahme anderer Metallionen zurückgehen und womöglich weit unter die Bedürfnisse des Körpers abfallen. Das heißt, dass eine Überversorgung mit Kalzium unmittelbar zu einer Unterversorgung mit anderen, ebenso wichtigen Metallionen führen kann! Sie sehen, es kommt nicht darauf an, welche Nährstoffe in der Nahrung enthalten sind, sondern darauf, welche davon in den Körper aufgenommen werden…

Daher zählen hierbei nicht die Gesamtkalziummengen in der Nahrung, weil die Kalziumionen, die fest an andere Chemikalien gebunden sind, nichts zu diesem Problem der Behinderung der Aufnahme anderer Metallionen beisteuern. Aber jene, die aus künstlichen Quellen zugeführt werden, könnten sehr wohl genau das bewirken! Das trifft besonders dann zu, wenn diese Ergänzungsmittel in einer Form vorliegen, die „leichtverfügbar für den Körper“ ist!!! Und wenn sie sich weniger leicht aufnehmen lassen, sind sie sehr wahrscheinlich vollkommen wertlos.

Die einzige Situation, in der künstliche Nahrungsergänzungen eventuell einen positiven Wert und keine unerwünschten Nebenwirkungen haben könnten, läge vor, wenn sie im Magen eine Konzentration an freien Kalziumionen bereitstellen würden, die genau dem entspräche, was der Hund aus rohen Knochen erhalten würde. Sollten Sie einen Hersteller eines Kalziumergänzungsmittels auftreiben können, der es wagt, das so auf dem Etikett des Zusatzmittels anzugeben, dann würde ich gerne davon erfahren!

Soviel zum Thema Kalzium. Wie bereits erwähnt, ist die Chemie des Phosphors weitaus komplizierter – aber die wichtigsten Grundsätze sind genau dieselben, abgesehen davon, dass die Wissenschaftler hier noch weniger Kenntnisse über die ganzen Einzelheiten besitzen, einfach weil es zu viele zu berücksichtigen gilt, und die entsprechenden Untersuchungen nicht finanzierbar sind.

 

Rohe Knochen als Quelle verwenden

Da uns jetzt nur noch natürliche Kalzium- oder Phosphorquellen übrig bleiben, sollten wir unser Augenmerk auf Knochen als unsere Quelle für diese beiden Nährstoffe richten. Knochen enthalten das richtige Verhältnis, das Hunde benötigen. Wenn wir genug davon füttern, haben wir das Problem mit der Ausgewogenheit gelöst.

Aber wie ist es um die anderen Unausgewogenheiten in der Nahrung bestellt? Müssen wir für diese nicht auch einen Ausgleich schaffen? Wenn wir beispielsweise zu wenig Kalzium haben, müssen wir dann nicht mehr Kalzium hinzufügen, als wir über die Knochen erhalten?

Die Antwort lautet, dass es gar nichts ausmacht – wenn Sie genügend Knochen füttern.

Und zwar aus folgendem Grund: Nehmen wir einmal an, das richtige Verhältnis zwischen bedeutsamen Formen von Kalzium und Phosphor sei 1:1 – 50% von jedem. Nehmen wir weiterhin an, der Hund braucht von beiden 100 Milligramm (= 0.1 Gramm) täglich, und Knochen enthalten 10% von jedem. Das führt uns zu dem Schluss, dass wir insgesamt 1000 Milligramm (= 1 Gramm) Knochen pro Tag füttern sollten, um den Bedarf zu decken, unter der Annahme, dass das Kalzium und der Phosphor in Knochen vollständig verdaulich sind.

Jedoch könnte in der Nahrung, die wir füttern, ein Kalziummangel vorliegen. Nehmen wir an, die Nahrung enthält nur halb soviel Kalzium, wie sie sollte (50 Milligramm anstatt 100 Milligramm), aber der Phosphorgehalt ist in Ordnung. Damit haben wir ein Ungleichgewicht – unser 1:1-Verhältnis beträgt nur 0.5:1 – und das ist bedenklich.

Aber angenommen, wir füttern jetzt 10 Gramm rohe Knochen. Damit beläuft sich unser Zusatz auf insgesamt 1000 Milligramm Kalzium und 1000 Milligramm Phosphor. Fügen wir noch die Mengen hinzu, die wir mit den anderen Nahrungsquellen füttern. Dadurch erhöht sich die Kalziumaufnahme auf insgesamt 1050 Milligramm und die Phosphoraufnahme auf insgesamt 1100 Milligramm. Unser Gesamtgleichgewicht liegt jetzt nicht mehr bei 0.5:1, sondern bei (1050/1100):1 = 0.95:1. Wir liegen nur 5% „daneben“. Aber 5% liegen sowieso innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite und spielen daher keine Rolle… (Zudem: die meisten chemischen Standardanalysen liefern ohnehin kein genaueres Ergebnis: +/-5% ist für solch eine Analyse schon ziemlich exakt…)

Wenn Sie stattdessen 100 Gramm Knochen füttern, erhöht sich das Verhältnis auf 0.995:1 – weniger als 0.5% vom Ziel entfernt…

Das Erfreuliche daran ist, dass Hunde sehr gut gedeihen, wenn sie eine Menge rohe Knochen bekommen. (Bedenken Sie, in der Natur lässt ein Wolf von einer erlegten Beute kaum etwas übrig, abgesehen von den Hufen und dem Schädel.)

Und es kommt noch besser: Sie brauchen gar nichts über den tatsächlichen Kalziumoder Phosphormangel in der Nahrung zu wissen, die Sie füttern. Sie müssen nicht einmal wissen, welches der beiden Mineralien fehlt oder unzureichend vorhanden ist, oder in welcher chemischen Form sie vorliegen. Alles was Sie tun müssen, ist Ihrem Hund reichlich rohe Knochen zu geben, wodurch die Unausgewogenheiten in der Nahrung völlig bedeutungslos werden.

Wie viel ist „reichlich“? Eine gute Richtschnur bietet die Verwendung eines natürlichen Beutetiers als Maßstab – etwa 7-10% seines Gesamtgewichts bestehen aus Knochen, d.h. alles, was über 10% der gesamten Ernährung hinausgeht, zählt als „reichlich“. Sie sollten 25% nicht überschreiten – da Sie auch noch Raum für die anderen Nährstoffe lassen müssen…

Hunde lieben Knochen – also machen Sie sich damit zu einem beliebten Rudelführer!

Mogens Eliasen


 

8. Wenn Angaben zum Mineraliengehalt auf Etiketten für Uneingeweihte irreführend sind…

Hersteller von mineralstoffhaltigen Ergänzungsmitteln und Arzneimitteln für medizinische Zwecke wissen ganz genau, welche chemischen Verfahren sie intern zur Herstellung der Produkte nutzen, die sie verkaufen. Dennoch lässt deren Beschriftung den Verbraucher oft völlig im Unklaren darüber, ob ein bestimmtes Produkt für einen bestimmten Zweck geeignet ist, der nicht auf dem Etikett ausgelobt wird. In manchen Fällen mag das auf Gedankenlosigkeit beruhen, aber es könnte sich auch um einen gezielten Versuch handeln, den scheinbaren Wert des Produktes zu vergrößern…

 

Verwendung von Zink als Beispiel

Die meisten Leute haben zumindest schon den Namen des Metalls Zink gehört, und viele wissen auch, dass „Zink“ in kleinen Mengen für den Körper unentbehrlich ist. Zudem ist Zink auch in vielen Medikamenten enthalten.

Allerdings macht sich kaum jemand Gedanken darüber, dass Zink als Metall nicht das ist, was der Körper benötigt… Es ist vollkommen unmöglich, das reine Metall zu verdauen. In Pulverform wäre der Verzehr geradezu gefährlich, weil es ausgesprochen reaktionsfreudig ist.

Wenn Sie daher irgendeine Art von Zinkergänzung einnehmen, wird es sich dabei nicht um das metallische Zink handeln. Hoffentlich nicht…!

Stattdessen werden Sie die eine oder andere Zinkverbindung einnehmen – eine chemische Substanz, die positiv geladene Zink-Ionen zusammen mit irgendeinem negativ geladenen Anion enthält. Zwischen dem Zink und den Anionen besteht eine chemische Verbindung. Bei manchen Substanzen ist diese Bindung relativ schwach, so dass die hauptsächliche Anziehung zwischen den Zink-Ionen und den Anionen durch die elektrischen Ladungen bewirkt wird. Solche Zinkverbindungen lassen sich üblicherweise leicht in Wasser lösen, wo sich die Zink-Ionen vollständig mit einer Hülle aus Wassermolekülen umgeben, die leicht durch andere Chemikalien ersetzt werden können, die vielleicht mit den Zink-Ionen reagieren wollen.

Ein weit verbreitetes Beispiel für solch eine wasserlösliche Zinkverbindung ist Zinkacetat, das aus Zink-Ionen und Acetat-Ionen besteht. In feuchtem Zustand riecht es nach Essigsäure. Diese Form von Zinkvorkommen stellt das Zink dem Körper in einer äußerst leicht verfügbaren Form bereit (die umgebenden Wassermoleküle sitzen recht locker) – allerdings ist es in dieser Form auch sehr reaktionsfreudig, so dass es möglicherweise sein Ziel nicht immer erreicht, weil es vorher einen anderen Reaktionspartner gefunden hat.

Nun, wenn die chemische Bindung zwischen den Zink-Ionen und den Anionen stärker ist, verändert sich die Lage dramatisch. Es gibt viele Beispiele von Zinkverbindungen, die aufgrund starker chemischer Bindungen zwischen den Zink-Ionen und den Anionen im Grunde völlig wasserunlöslich sind. Zinkoxid und Zinksulfid (weit verbreitete Mineralien) sind solche Beispiele. Sie besitzen praktisch keinerlei Wert für den Körper, da die ZinkIonen nicht frei sind! Die starke Bindung an das Anion muss erst aufgebrochen werden, bevor solches Zink dem Körperstoffwechsel verfügbar gemacht werden kann, und dazu bedarf es sehr starker und reaktiver Chemikalien – die der Körper für gewöhnlich nicht besitzt.

Aber zwischen diesen beiden Extremen (wasserlösliche Zinkverbindungen und völlig unlösliche Verbindungen) erstreckt sich eine ganze Bandbreite von Chemikalien, die eine gemäßigtere Bindung zwischen dem Zink und dem Anion aufweisen – und bei denen sich die Stärke der Bindung durch einfache chemische Anpassungen des pH-Wertes verändern lässt!

Eine sehr wichtige Gruppe bilden dabei die Zink-Chelate. Ein Zink-Chelat besteht aus Zink-Ionen, deren zugehöriges negatives Ion durch eine organische Struktur (oftmals eine Aminosäure) gestellt wird, die das Zink-Ion vollständig einkapselt. Das kann zu einer Bindung führen, die unter bestimmten chemischen Bedingungen sehr schwer zu knacken sein kann, sich aber manchmal relativ leicht lösen lässt, wenn sich diese Bedingungen ändern.

Die meisten „Chelatkomplexe“ des Zinks sind wasserlöslich und chemisch recht stabil und daher ungiftig. Allerdings lässt sich das Zink darin womöglich nicht ganz so einfach dazu bewegen, mit etwas anderem zu regieren – es sei denn, die chemischen Bedingungen im Körper, an der Stelle, wo es seine Wirkung entfalten soll, sind so eingestellt, dass die Bindung zwischen dem Zink-Ion und dem Chelat-Ion abgeschwächt wird.

Von daher ist die „Zinkstärke“ eines Chelats nicht nur drastisch geringer als die des Zinkacetats, das praktisch freie Zink-Ionen liefert, die bereit sind, mit so ziemlich allem zu reagieren – sie ist auch stark abhängig von der speziellen Chemie des konkreten Chelat-Anions und den lokalen chemischen Umgebungsbedingungen im Körper.

Infolgedessen wird es für die Wirksamkeit des Medikaments oder der Nahrungsergänzung höchstwahrscheinlich einen Riesenunterschied machen, welche Zinkverbindung darin enthalten ist… Zinkacetat und Zink-Chelat KÖNNTEN unter sehr speziellen Umständen gegeneinander austauschbar sein – aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall innerhalb der komplizierten Körperchemie eintritt, ist sehr gering.

 

Die chemische Bestimmung von „Zink“ – dem großen Verräter…

Dann sollte ich noch eine weitere Definition von „Zink“ anführen, die auf Etiketten oft angegeben wird, um Leute in die Irre zu führen, die nichts von Chemie verstehen…

Gemeint ist die Verwendung von „Zink“ als Maß für den Gesamtgehalt von Zink (als freies Metall), jeder Art von Zinksalz und jeder anderen chemischen Verbindung, die das Element Zink enthält, ohne nähere Angaben darüber, in welcher Art von chemischer Umgebung dieses „Zink“ vorliegt, oder auf welche Art es genau gebunden ist. Das rührt vom Standardverfahren für die chemische Bestimmung metallischer Elemente her (dem billigsten und schnellsten, das man gegen Bezahlung durchführen lassen kann). Diese Analysemethode beruht darauf, die Probe in einer weißglühenden Flamme zu verdampfen, in der alles buchstäblich in seine Atome aufgespaltet wird, ungeachtet der ursprünglichen chemischen Struktur. Dann wird die Konzentration freier Zinkatome in diesem hocherhitzten Gas optisch gemessen und so kalibriert, dass sie sich in ein Maß für die „Zink“-Konzentration in der Ausgangsprobe umwandeln lässt.

Wenn man „Zink“ (oder jedes beliebige andere Mineral) auf diese Weise misst, gehen SÄMTLICHE Informationen über seine ursprüngliche chemische Form verloren.

Wenn Sie daher auf einem Etikett die Angabe „Zink“ lesen, haben Sie keinerlei Anhaltspunkt dafür, um welche Form des Elements es sich handelt – es könnte eine gefährliche Form sein, eine harmlose, inaktive Form, eine reaktionsfreudige Form oder eine nützliche Form… das können Sie der Information „Zink“ nicht entnehmen…

Somit ist der Ausdruck „mit Zink ergänzen“ bedeutungslos, es sei denn, Sie machen genauere Angaben darüber, welche Art von Zinkverbindung Sie tatsächlich verwenden…

Nun, bei der Verwendung zu medizinischen Zwecken könnte es sein, dass Ärzte und Tierärzte einfach etwas salopp mit den Produktbezeichnungen umgehen und sie schlicht „Zink“ nennen, doch könnten sich dahinter auch unredliche Vermarktungsabsichten verbergen – es gibt viele Beispiele dafür, wie gerissene Chemiker Anwälte und Bürokraten überlisten, die keine Ahnung von diesen Dingen haben…

Das „Zink“ in diesem Beispiel können Sie gegen jedes beliebige andere Metall austauschen – und es werden dieselben Schlussfolgerungen darauf zutreffen.

Somit sind „Zink“ und „Zink“ nicht unbedingt dasselbe. Das eine kann für bestimmte Zwecke von großem Wert sein, und das andere kann vollkommen wertlos sein – oder womöglich geradezu gesundheitsschädlich.

„Käufer sei wachsam“…

Mogens Eliasen


 

9. Der Salmonellen-Mythos

Salmonellen stellen, gemeinsam mit Tollwut, eine sehr einzigartige Krankheit dar: sie können sowohl Menschen als auch Hunde befallen! Es sind keine weiteren Krankheitserreger bekannt, die dazu in der Lage sind. Bedauerlicherweise jagt das vielen Menschen Angst davor ein, sich bei ihren Hunden mit Salmonellen anzustecken, und Tierärzte und Heimtierfutterhersteller sind gleichermaßen schnell dabei, diese Ängste zu schüren, ungeachtet dessen, dass das Risiko voll und ganz vernachlässigbar ist.

 

Wie gefährlich sind Salmonellen?

Als erstes gilt es, sich solide Kenntnisse darüber anzueignen, was Salmonellen eigentlich sind, und wie gefährlich sie für Menschen sind.

Salmonellen sind Bakterien, die in unserem Verdauungssystem einige unangenehme Reaktionen hervorrufen können, wie z.B. Erbrechen und Durchfall, und oftmals auch Fieber. Die akute Phase kann etwa eine Woche lang dauern. Über das US-Zentrum für Krankheitskontrolle (Center for Disease Control) und das US-Zentrum für Gesundheitsstatistiken lässt sich herausfinden, dass von 1.43 Millionen gemeldeten Fällen in den beiden Jahren 2001-2002 in den USA 585 Erkrankte starben, wobei es sich fast ausschließlich um Kleinkinder und Menschen über 91 handelte. Von etwa 556 dieser Erkrankungen ist bekannt, dass sie durch Nahrungsmittel verursacht wurden, nicht durch Haustiere. Damit bleiben höchstens 29 Fälle übrig, die möglicherweise durch Infektionen verursacht wurden, die von Hunden oder aus sämtlichen anderen Quellen herrührten, die nichts mit Nahrung zu tun haben… Unter Berücksichtigung der Bevölkerungsanzahl in den USA von 293,000,000, beläuft sich somit das Risiko für Amerikaner, sich mit Salmonellen zu infizieren, auf etwa 0.25% pro Jahr, und das Risiko, an einer Salmonelleninfektion zu sterben, auf 0.05‰ (Promille)! Betrachten Sie im Vergleich dazu das jährliche Risiko von 108‰ für einen Mann (33‰ für eine Frau) in den USA, ermordet zu werden, von etwa 100‰, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, und 11‰ für eine Person unter 91 Jahren, an Virusgrippe oder Lungenentzündung zu sterben.

Dazu kommt noch, dass Untersuchungen durchgeführt wurden, die belegen, dass bei Hunden Salmonellen weder im Speichel noch auf der Haut vorkommen, nicht einmal, nachdem sie rohe Nahrung verzehrt haben, die zu 100% mit Salmonellen verunreinigt war! Aber wenn sie mit Salmonellen verunreinigte Nahrung fressen, weist etwa ein Drittel von ihnen eine mäßige Salmonellenkonzentration im Kot auf – jedoch keine klinischen Anzeichen einer Erkrankung.

Das heißt, die einzige Möglichkeit, wie sich diese 29 Todesfälle durch Salmonellen in den Jahren 2001 und 2002 eventuell auf eine Ansteckung durch Hunde zurückführen ließen, bestünde darin, dass die entsprechenden Menschen Hundekot infizierter Hunde gegessen hätten… (Raten Sie doch einfach selbst, wie viele der 29 das tatsächlich getan haben!)

Die kommerzielle Panikmache

Nichtsdestotrotz werden Sie immer wieder, sowohl online als auch offline, Artikel und Veröffentlichungen über die Gefahren von Salmonellen finden, üblicherweise mit finanzieller Unterstützung durch Heimtierfutterhersteller oder tierärztliche Verbände.

Nun, unter Berücksichtigung obiger Tatsachen ergibt das vom Standpunkt gesundheitlicher Erwägungen aus gesehen keinen Sinn. Das Risiko ist lächerlich gering, wenn man es nicht sogar als völlig absurd bezeichnen muss, sich Sorgen darüber zu machen …

Aber es macht eine Menge Sinn, wenn man das unter kommerziellen Gesichtspunkten betrachtet…

Eine ernstzunehmende Vorstellung vom Ausmaß des „Salmonellenproblems“ erhalten Sie, wenn Sie bedenken, dass die kanadische Regierung vor ein paar Jahren bekannt gab, dass geschätzte 80-85% aller Hühnchen in nordamerikanischen Supermärkten (die zum Verkauf an die Verbraucher zugelassen waren!) tatsächlich mit Salmonellen verunreinigt waren. Als ich im Jahr 2000 mit der US-Behörde FDA (Food and Drug Administration, Aufsichtsbehörde für Lebens- und Arzneimittel) telefonierte, um mir dies bestätigen zu lassen, wurde es mir wirklich bestätigt… Also handelt es sich um ein „Allerweltsproblem“, nicht nur in Kanada!

Wie bereits erwähnt, wurde bei roh ernährten Hunden eine im Allgemeinen höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Salmonellen im Kot nachgewiesen als bei Hunden, denen keimfreies Trockenfutter voller giftiger Chemikalien verabreicht wird (die als „Konservierungsstoffe“ bezeichnet werden und Mikroorganismen aller Arten abtöten sollen). Keine Überraschung… Wäre das nicht der Fall, müsste mit den Grundlagen der Biologie und Chemie irgendetwas ganz gewaltig faul sein!!! (In Wirklichkeit könnte man es als Überraschung auffassen, dass nur ein Drittel der Hunde, denen mit Salmonellen verunreinigte Hühner verfüttert wurden, Salmonellen in ihrem Kot aufwiesen – das zeigt, wie wirkungsvoll der Hundemagen solche Erreger abtötet!)

Wenn daher Salmonellen ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen würden, wieso sollten wir uns dann Sorgen darüber machen, dass 30% aller Hundehäufchen befallen sind, wenn wir doch in Kauf nehmen, dass 80-85% aller genusstauglichen Hühnchen befallen sind? Von welcher Quelle geht die größere Gefahr für gesunde Menschen aus?

Das lässt nur einen Schluss zu: SALMONELLEN WERDEN VON UNSEREN REGIERUNGEN NICHT ALS ERNSTHAFTE GESUNDHEITSGEFÄHRDUNG ANGESEHEN! Und das sollten sie auch nicht.

Nun, wieso finanzieren Heimtierfutterhersteller (und von ihnen bezahlte Tierärzte) dann Studien, die darauf hinauslaufen, eine Verbindung zwischen roher Nahrung und Salmonellen im Kot aufzuzeigen?

Darauf gibt es natürlich nur eine Antwort: Geld.

 

Wie man mit Panikmache Gewinne erwirtschaften kann

Es kommt darauf an zu erkennen, wie die führenden Heimtierfutterhersteller damit Geld machen können

Nämlich so: Viele von ihnen haben viele „wissenschaftliche Artikel“ im Internet veröffentlicht, die auf allerlei Gefahren hinweisen, die von der Rohfütterung ausgehen. Wieso? Weil sie sich ernsthafte Sorgen machen, einen ehemals offensichtlichen Absatzmarkt zu verlieren, den sie unter Kontrolle hatten! Ich stehe nicht länger alleine als Verfechter roher Nahrung für Hunde da – und die Befürworter roher Nahrung verbreiten die Informationen darüber, was sinnvoll ist. Wir stellen eine ernsthafte Gefahr für ihre langfristigen Gewinne dar, wenn nicht sogar für ihre Existenz! Wenn jeder seine Haustiere roh ernähren würde, gäbe es kein Purina oder Iams oder Alpo: Sie würden mit dem Bauch nach oben schwimmen! Die Aktionäre könnten sich ihre Verluste ausrechnen…

Die Heimtierfutterhersteller wissen schon, dass die Leute Angst vor Salmonellen haben, weil das die einzige Hundekrankheit ist (abgesehen von der äußerst seltenen Tollwut), die auch den Menschen befällt. Von Kindesbeinen an werden wir in Angst und Schrecken vor schlechter Hygiene und „gefährlichen Keimen“ versetzt. Je mehr Veröffentlichungen das als „etwas Schlimmes“ hinstellen (merke: ohne konkrete Angaben darüber zu machen, wie schlimm es genau ist, so dass wir uns ein eigenes Urteil bilden könnten!), desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich in unser Unterbewusstsein einprägt!

Hitlers Propagandaminister im Deutschland der Nazizeit (Joseph Göbbels) sagte einmal: „Wenn man eine Lüge nur oft genug wiederholt, werden die Leute sie für die Wahrheit halten“.

Na bitte! Erzählen Sie die Lüge oft genug herum – und die Leute werden glauben, dass Salmonellen gefährlich sind!

Jetzt können die Heimtierfutterhersteller dies aber nicht wirklich so tun, ohne etwas Vorsicht walten zu lassen. Sie sind gerissen genug, sich keinen Prozess wegen der Verbreitung offensichtlich falscher Informationen aufzuhalsen.

Und das brauchen sie auch nicht. Alles, was sie tun müssen, ist, sich wieder einmal eine Gelegenheit zu verschaffen, um zu veröffentlichen, dass es eine Verbindung zwischen „roher Nahrung“ und „Salmonellen“ gibt. Dann werden die Leute automatisch (wegen ihrer unbewussten Angst vor Bakterien, die Menschen krank machen können) Unbehagen gegenüber der rohen Nahrung empfinden – weil wir sie mit „Bakterien“ in Verbindung bringen, und „Bakterien“ tief in unseren Gehirnen als etwas „Schlechtes“ verwurzelt sind. Wir mögen uns dessen nicht bewusst sein – aber genau so funktioniert es! Die Medien machen sich das laufend zunutze! Auf diese Weise kann die Heimtierfutterindustrie das Unterbewusstsein des durchschnittlichen Verbrauchers ausnutzen und (das ist die Hoffnung) das Blatt wenden, so dass mehr Menschen zögern werden, auf Rohfütterung umzusteigen – und vielleicht werden einige Rohfütterer hinreichend verängstigt, um auf ihre bequeme „Fürsorge“ zurückzukommen

Denken Sie bitte daran, Verbraucher treffen ihre Entscheidungen nicht mithilfe logischen Denkens. Sie treffen die Kaufentscheidungen mit ihren Gefühlen – und bedienen sich dann hinterher der Logik, um ihre Wahl zu rechtfertigen. Alle gut geschulten Vermarkter wissen das, die Belegschaft der führenden Heimtierfutterhersteller mit Sicherheit eingeschlossen.

Alles, was nötig ist, um den durchschnittlichen Verbraucher davon abzuhalten, der Werbung für rohe Nahrung zuzuhören, ist der Aufbau (oder die Unterstützung) solch einer emotionalen Blockade, die jemand errichtet hat, indem er immer und immer wieder bekräftigte, dass „roh“ mit „Salmonellen“ in Verbindung steht, und „Salmonellen“ sind in unseren Gehirnen in der Schublade für „schlechte Dinge“, die wir meiden sollten, abgelegt. Endergebnis: Der Verbraucher wird aufgrund dieser gefühlsmäßigen Verbindung, die durch gewiefte Vermarkter und Medienvertreter hergestellt wurde, einen Bogen um rohe Nahrung machen!

Diese Strategie ist sehr gut durchdacht. Unser Unterbewusstsein zu nutzen, um Kaufentscheidungen herbeizuführen, ist weitaus wirkungsvoller als der Einsatz von Logik. Diese Großunternehmen wollen nicht, dass wir logisch denken. Sie wollen nur, dass wir ihre Produkte kaufen, ganz gleich aus welchem Grund! Und sie wissen ganz genau, dass wir mit unseren Gefühlen einkaufen.

Ja, das ist Manipulation. Tatsächlich unterscheidet es sich nicht von Gehirnwäsche… Wenn wir nicht sehr, sehr vorsichtig sind, werden wir in ihre Fänge geraten. Sie wirkt auf der Ebene unseres Unterbewusstseins, daher brauchen wir uns ihrer nicht bewusst zu sein, damit sie sich zugunsten der großen Konzerne auswirkt. Tatsächlich funktioniert das Ganze für sie am besten, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind…

Aber gerade das macht es so verdammt wichtig, diesen Schwindel auffliegen zu lassen.

Mogens Eliasen


 

10. Schlussfolgerungen aus den Hundefutter-Rückrufaktionen

Fast täglich wird noch ein weiterer Hundefutter-Rückruf über die Medien bekannt gegeben und das Produkt vermeintlich aus den Regalen entfernt. Das geht jetzt schon seit über einem Monat so… Und das verunreinigte Futter ist mindestens sechs Monate lang verkauft worden, wenn nicht länger.

Bedauerlicherweise ziehen die meisten Leute die falschen Schlüsse daraus und suchen nach Mitteln und Wegen, um an den Symptomen herumzufeilen, anstatt die grundlegenden Ursachen zu beheben, die sich hinter diesem Skandal verbergen.

Für jene, die auf die großen kommerziellen Heimtierfutterhersteller vertrauten, in der Annahme, es handele sich um ehrliche Anbieter von gesunder Nahrung für ihre Haustiere, ist dies beängstigend. Sehr beängstigend.

Natürlich können jedem Fehler unterlaufen, auch den besten. Aber darum geht es nicht. Wir erwarten alle, dass jemand, der einen Fehler begeht, zumindest daraus lernen und etwas unternehmen wird, um zu verhindern, dass sich das in Zukunft wiederholt. Es hinterlässt kein gutes Gefühl, wenn der Betreffende, dem der Fehler unterlaufen ist, einfach nur versucht, ihn aus dem öffentlichen Bewusstsein „verschwinden“ zu lassen und dann vorgibt, wieder zur „Tagesordnung“ überzugehen, ohne irgendeine Erklärung, ohne irgendeine Entschuldigung und ohne irgendein augenfälliges Bestreben, die Verfahrensweisen oder Einstellungen zu verändern, die eine Wiederholung wirksam ausschließen könnten.

Das ist der wirklich beängstigende Teil. Und genau das erleben wir gerade.

 

Was sind die Tatsachen?

Der Kern des Skandals ist die Tatsache, dass ein Rohstofflieferant, in diesem Fall offenbar ein chinesischer Zulieferer (es könnte aber jedermann sein), nach „Qualität“ bezahlt wird, und diese „Qualität“ anhand chemischer Analysen des „Proteingehalts“ bestimmt wird. Um die Qualitätsvorgaben des Kunden (= des Heimtierfutterherstellers) zu erfüllen, unternimmt dieser Zulieferer natürlich, was er kann, damit die chemische Analyse das verlangte „Protein“ anzeigt, ohne selbst mehr als unbedingt nötig für die Zutaten bezahlen zu müssen.

Das gehört zum grundlegenden Wesen des Geschäftslebens. Zu dumm nur, dass sich dieser Zulieferer, im Einklang mit allen gängigen chinesischen Gepflogenheiten und üblichen Geschäftspraktiken, dazu entschließt, ein wenig billiges pflanzliches Melamin beizumengen, das in der chemischen Analyse mit Sicherheit als „Protein“ erscheinen wird – wenngleich es für einen Karnivoren völlig unverdaulich und ohne Nährwert ist.

Aber dasselbe ließe sich auch über Federmehl sagen (in den USA gründet sich eine ganze Industriebranche darauf, Mehl aus Geflügelfedern herzustellen – und es als „Rohprotein“ ausschließlich an Heimtierfutterhersteller zu verkaufen…). Und es ließe sich auch über Leder, Geweihe, Haare, Klauen und viele andere organische Produkte sagen, die keinerlei Nährwert besitzen und dennoch systematisch und durchgängig ihren Weg in „qualitativ hochwertiges Heimtierfutter“ finden, und zwar unter der Kategorie „Rohprotein“, von der sich kein Heimtierfutterhersteller die Mühe macht, dem Verbraucher zu erklären, was sich dahinter verbirgt. Daher macht es keinen Sinn, mit dem Finger auf China zu zeigen – genau dieselben Grundsätze bestimmen auch die Geschäfte in den USA.

Sollten Sie Quellenangaben zu den offiziellen Fakten über diesen Skandal suchen, dann können Sie im ersten Artikel in meinem Rundschreiben „The Peeing Post“ vom 12. April 2007 fündig werden. Den Artikel selbst finden Sie unter – bitte sehen Sie dort nach.

Und welchen Sinn machen die Empfehlungen vieler Medien, man solle sich an reine USLieferanten halten? Ist Federmehl irgendwie besser als Melamin? Beide treten in chemischen Analysen als „Rohprotein“ in Erscheinung, und keines von beiden besitzt irgendeinen, wie auch immer gearteten Nährwert.

Und was ist mit all den anderen Substanzen, die zum „Rohprotein“-Wert beitragen, und die von den Heimtierfutterherstellern nur allzu gern eingesetzt werden, solange der Preis stimmt? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Hauptbestandteil aller Heimtierfuttersorten aus Getreideprodukten besteht – die üblicherweise 60-79% des Futters ausmachen und in einer Kost für Fleischfresser (Karnivoren) überhaupt nichts zu suchen haben.

Das Traurige an der Geschichte ist, dass alle Heimtierfutterhersteller genau dieselben Zutaten gekauft haben, bei genau denselben Zulieferern. Keiner von ihnen hat sich die Mühe gemacht, genau festzulegen, dass die Zutaten „natürliche Nahrungsbestandteile von Karnivoren“ sein müssen; sie alle verwenden routinemäßig allerlei pflanzliche Proteine und unverdauliche Proteine, einfach um den Preis zu senken und den Kunden zum Narren zu halten, der nicht weiß, was „Rohprotein“ eigentlich ist. Der gesamte Entscheidungsprozess wird ausschließlich vom Profit angetrieben, nicht von gesundheitlichen Erwägungen im Sinne der Hunde.

 

Warum unnatürliche Zutaten gefährlich sind

Das Problematische an unnatürlichen Zutaten ist immer, dass sie natürlichen Vorgängen unterliegen, die zur Entstehung schädlicher Chemikalien führen können. Ja, die Natur bringt viele Gifte hervor!

In natürlicher Nahrung finden sich für gewöhnlich keine solchen schädlichen Chemikalien, zumindest nicht für eine Tierart, die sich über Jahrtausende hinweg erfolgreich mit einer solchen Nahrung entwickelt hat. Und zwar aus dem Grund, dass die Tierart so angepasst wurde, dass sie mit sämtlichen Chemikalien zurechtkommt, die in der natürlichen Nahrung vorhanden sein können – dafür hat die Evolution gesorgt; jene Tiere, die nicht damit zurechtkamen, sind nicht die Vorfahren unserer heutige Haustiere! Sie sind ausgestorben.

Wenn die Nahrung allerdings nicht auf natürliche Weise durch das Tier ausgewählt wird, das sie gezwungenermaßen zu sich nimmt, dann verfügt das Tier über keine Schutzvorrichtungen, um sich zur Wehr zu setzen, wenn solche Gifte durch natürliche Vorgänge daraus entstehen. Für das Immunsystem des Tieres kommen diese Gifte völlig überraschend, und es besitzt keine Abwehrmöglichkeiten dagegen. Das natürliche Schutzniveau, das sich durch Selektion während der Evolution gebildet hat, greift nicht, wenn wir Unnatürliches verfüttern.

Wenn wir unnatürliche Zutaten verwenden, ist es somit nur eine Frage der Zeit, bis eine entsprechende Bombe hochgehen wird. Im Fall von Melamin ist das vor ein paar Monaten geschehen. Beim nächsten unnatürlichen Bestandteil kann es nächstes Jahr passieren, vielleicht auch in vier Jahren – wir können das einfach nicht wissen! Wir können nicht einmal erahnen, um welche Art von Problem es sich handeln wird!

Das Verfüttern unnatürlicher Nahrungsmittel stellt ein großes, ständig fortlaufendes Experiment mit der Gesundheit unserer Tiere dar…

 

Von wem kaufen Sie Ihr Heimtierfutter?

Womöglich ist es an der Zeit für den durchschnittlich intelligenten Tierhalter aufzuwachen und zu beginnen, sich darüber klar zu werden, worum es bei der „Herstellung von Heimtierfutter“ eigentlich geht. Im krassen Gegensatz zu dem, was wir vielleicht gerne glauben möchten, geht es dabei nicht darum, gut für die Gesundheit unserer Haustiere zu sorgen. Es wäre schon reichlich naiv zu denken, dass große multinationale Konzerne wie Purina, Iams, Science Diet, Alpo, und wie sie alle heißen mögen, wirklich ein Leitbild in ihrer Unternehmenssatzung stehen haben, das als ihren Hauptdaseinszweck angibt, sicherzustellen, dass Haustierbesitzer gesunde Nahrung für ihre Tiere zu angemessenen Preisen erhalten können. Das können Sie vielleicht von einer wohltätigen Stiftung erwarten. Aber gewiss nicht von einer Handelsgesellschaft, die sich im Besitz anderer multinationaler Gesellschaften (hauptsächlich die großen Lebensmittelhersteller) befindet, deren einziger Daseinszweck darin besteht, GELD FÜR IHRE AKTIONÄRE ZU VERDIENEN!

Entschuldigen Sie bitte, dass ich schreie – aber das muss einfach in die Welt hinausgeschrien werden, so laut, dass davon alle schlafenden Tierhalter aufwachen; sie müssen sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten auseinandersetzen und mit dem Irrsinn aufhören, den Großunternehmen auch noch entgegenzukommen, wenn diese ihren Wunsch nach Bequemlichkeit ausnutzen.

Werfen wir einen Blick darauf, wie diese Unternehmen Geld verdienen.

In jedem Geschäft kommt es letztlich auf die Spanne zwischen Kosten und Einnahmen an. Diese bezeichnet man als Gewinn. Wenn es Ihnen gelingt, eine große Spanne zu erzielen, fahren Sie gute Gewinne ein, und Ihre Aktionäre verdienen gut an den Dividenden. Das treibt den Preis ihrer Aktien in die Höhe, so dass sie ihre Anteile mit sogar mit noch größerem Gewinn verkaufen könnten. Dies zu erreichen stellt den einzigen Beweggrund der Aktionäre dar, wenn sie Direktoren wählen, damit diese Geschäftsführer einstellen, um die Geschäfte zu leiten. Nun gibt es hinsichtlich der Verkaufspreise eine Obergrenze, die der Markt noch tragen kann. Der Einfluss des Wettbewerbs muss berücksichtigt werden. Wenn das Heimtierfutter beispielsweise teurer ist als die menschliche Nahrung, wird die Gefahr zu groß, dass die Leute wieder darauf zurückgreifen werden, was sie früher getan haben: ihre Hunde mit Menschennahrung zu füttern!

Einen weiteren wichtigen Einflussfaktor stellt die Verbraucherfreundlichkeit dar. Wenn ein Produkt einfach in der An- und Verwendung ist, brauchen sich die Leute keine Sorgen wegen des damit verbundenen Zeitaufwands zu machen – das kommt ihrer Bequemlichkeit entgegen. Wenn es aber umständlicher zu bedienen ist, werden weniger Leute es nutzen.

Die schlechte Nachricht (für den Verbraucher) lautet, dass es eigentlich keine Untergrenze dafür gibt, wie billig die Zutaten noch sein können… Und Abfall kostet gar nichts…

 

Die Lehre aus der Geschichte

Seit vor etwa 15,000 Jahren die ersten Wölfe domestiziert wurden, gestaltete sich die Fütterung dieser Tiere für die Menschen, die sie als Jagdgefährten einsetzten, höchstwahrscheinlich sehr einfach. Das Erlegen einer Beute wird sich selten in der Nähe des Lagers abgespielt haben, wo die Frauen und Kinder zurückblieben, während die Männer und ihre Hunde auf die Jagd gingen. Selbst falls die Männer tatsächlich versucht gewesen sein sollten, etwas von dem Fleisch an Ort und Stelle roh zu verzehren, hätten Sie immer noch vor der Schwierigkeit gestanden, dass sie es nicht kauen konnten, ohne es zunächst zu kochen. Da der Mensch das Feuer bereits seit 750,000 Jahren zu nutzen weiß, stellte dies kein Problem dar – sondern nur die Aufgabe, die Beute zurück zum Lager zu transportieren.

Frage: Meinen Sie, diese Jäger hätten das komplette Beutetier heimgetragen? Hinweis: Bedenken Sie, dass jedes Beutetier einige sehr schwere Teile aufweist, die von den Menschen nicht gegessen werden: der Kopf, die Eingeweide, etc.

Was meinen Sie also, haben die Höhlenmenschen da draußen am Ort des Jagderfolges wohl getan, umringt von ihren hungrigen Hunden, bevor sie die Beute zum Kochen nachhause trugen?

In Ordnung – damit wäre auch unsere nächste Frage beantwortet: „Womit haben sie wohl ihre Hunde gefüttert?“…

Das war der Beginn einer Gepflogenheit im Umgang des Menschen mit seinen Hunden, der er höchstwahrscheinlich treu geblieben ist: Er fütterte sie mit seinen eigenen Abfällen! Billig. Bequem. Und zum Glück für die Hunde waren das in Wirklichkeit die wertvollsten Teile ihrer natürlichen Nahrung! Die Eingeweide werden von Wölfen als erstes gefressen – und sind für sie von allerhöchstem Nährwert! Somit bot diese Partnerschaft zwischen dem Höhlenmenschen und seinem domestizierten Wolf beiden Seiten erhebliche Vorteile.

Während der Renaissance wurden einige Hunde (vor allem die kleinen Rassen) von Frauen adoptiert und als „Haustiere“ in den Adelshaushalt eingeführt. Aus der Geschichte wissen wir, dass diese kleinen Hunde weitestgehend wie kleine Menschen behandelt und ernährt wurden. Aber sie waren ja klein, daher machte es diesen Adligen finanziell gesehen nicht viel aus, ihren Gemahlinnen diese Unterhaltung zu gönnen, während sie selbst weiterhin ihrem Jagdvergnügen mit ihren „richtigen“ Hunden nachgingen – die immer noch so gefüttert wurden wie zu Zeiten des Höhlenmenschen! Außerdem sind das gerade einmal etwa 400 Jahre – eine sehr unbedeutende Kuriosität auf der Zeitskala der Evolution.

Als während der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren in den USA das Trockenfutter erfunden wurde, galt immer noch dieselbe Fütterungsphilosophie. Aber zu dieser Zeit hatte sich die Beschaffenheit der Abfälle der Menschen verändert… Die Adligen, die sich auf der Jagd vergnügten, gab es nicht mehr. Stattdessen gab es Millionen mittelloser Hundehalter, die ihre Tiere nur schwerlich ernähren konnten, weil sie kein Geld hatten. Und es gab große Speicher voller Getreide, das nicht zu Preisen verkauft werden konnte, die den Bauern etwas eingebracht hätten.

Es bedurfte nur einiger gewiefter Geschäftsleute, um herauszufinden, dass sich ihnen eine einmalige Gelegenheit bot, als sie bedachten, dass Hunde tatsächlich bereit waren, verarbeitete Getreideerzeugnisse zu fressen, eine Entdeckung, die etwa 70 Jahre früher gemacht aber nie kommerziell ausgeschlachtet worden war…

Natürlich? Gesund? Wen interessierte das schon?! Es war billig – es stand jede Menge davon zur Verfügung, ein riesiger Markt wartete nur darauf, es zu kaufen – also wurde mit der Herstellung begonnen und für die Produkte geworben!

Das war der Anbeginn der Heimtierfutterindustrie. Nicht sonderlich schmeichelhaft, oder? Aber es war einträglich – und das ist alles, was im Geschäftsleben zählt.

Zum Pech für die Hunde und ihre Besitzer zeigten sich keine unmittelbaren schädlichen Auswirkungen. Die meisten Hunde erhielten zumindest ein wenig Abwechslung in ihrer Nahrung, da viele Menschen ihren Hunden weiterhin die Knochen und anderen Küchenabfälle gaben, für die sie keine weitere Verwendung hatten, so wie sie es schon immer getan hatten. Ich sage „zum Pech“, weil dadurch die Probleme, die sich aus der Hundefütterung mit solch unnatürlicher Kost ergaben, entscheidend verdeckt wurden! Hätten die Leute dieses frühe Trockenfutter ausschließlich gefüttert, hätte es höchstwahrscheinlich in so kurzer Zeit eine solch verheerende „Epidemie“ von Mangelernährung verursacht, dass die Wahrheit ans Licht gekommen wäre: Getreideerzeugnisse in großen Mengen sind für Hunde nicht gesund. Aber dann kam der Krieg dazwischen, und die Leute hatten andere Sorgen, und somit war der Markt gefestigt…

Als ich im Europa der Nachkriegszeit aufwuchs, wussten wir nichts von „Heimtierfutter“. Wir fütterten unsere Hunde so, wie wir es schon immer getan hatten: mit den billigsten Nahrungsbestandteilen, die wir selbst nicht wollten: mit den Knochen und Eingeweiden der Tiere, die wir schlachteten. Manchmal auch mit ein paar Tischresten von unseren eigenen Mahlzeiten. Und wir brauchten keine Tierärzte, um für unsere Hunde zu sorgen – sie waren gesund.

Aber dann schwappte in den siebziger Jahren dieses amerikanische Phänomen des „Heimtierfutters“ nach Europa über. Es war billig. Es war bequem. Und es wurde geschickt vermarktet. Die Händler verdienten gutes Geld – und für den bequemen Hundehalter war es eine einfache Sache. Und jetzt steckt Europa in derselben Falle fest. Niemand kann sich mehr daran erinnern, wie man Hunde füttert. Alles beruht nur noch auf kommerzieller Werbung und Großunternehmen, die große Profite einfahren – und die Köpfe der Leute mit sorgfältig ausgesuchten Informationen füllen, die dazu führen, dass die Verbraucher an eine einträgliche Lüge glauben.

Natürlich erzählen sie keine Lügen. Und doch tun sie es. Sie verraten nur jene Teile der Wahrheit, die ihren Umsatz ankurbeln – nicht mehr!

Infolgedessen werden die Leute bewusst dazu gebracht, an etwas zu glauben, das gar nicht wahr ist. Aber all das geschah auf Umwegen, durch geschickte Propaganda.

 

„Scheinwahrheiten“, die Menschen an Lügen glauben lassen

„Heimtierfutter muss ernährungsphysiologisch ausgewogen sein“.

Ja, wenn Sie zulassen, dass 2/3 (oder mehr) davon aus völlig wertlosen Getreideerzeugnissen bestehen, die schon von vornherein gar nicht erst an Hunde hätten verfüttert werden dürfen, und wenn Sie für einen Großteil des Restes billige Abfallprodukte verwenden, dann gewinnt es allerdings entscheidend an Bedeutung, dass Sie das wenige, auf das der Hund nun einzig und allein angewiesen ist, sorgfältig ausgleichen. Wenn Sie von vornherein eine natürliche Kost verfüttern, ist diese Sorge ohne Belang. Aber aus obiger Aussage lässt sich hervorragend herauslesen, dass ganz normal intelligente Menschen nicht dazu in der Lage sind, das selbständig in den Griff zu bekommen…

„Eine Kost aus rohem Fleisch ist nicht gesund für Hunde“.

Stimmt, aber rohes Fleisch allein war ohnehin nie dazu gedacht, eine ausgewogene Ernährung darzustellen, weder für Wölfe noch für Hunde. Canis Lupus (der Wolf) und Canis Lupus Familiaris (der Haushund) benötigen außerdem die Knochen und die inneren Organe. Aber wenn Sie das weglassen, wird die Aussage wahr. Und dennoch ruft sie den falschen Eindruck hervor, dass mit rohem Fleisch als Hundenahrung irgendetwas nicht stimmt. Die Wahrheit lautet, dass die AUSSCHLIESSLICHE Fütterung mit rohem Fleisch nicht gut für sie ist…

„Rohe Nahrung enthält Bakterien, die gefährlich sind“.

Für Menschen, mag sein. Aber kein Fleischfresser in der Natur kommt vom Verzehr roher Nahrung um. Jene, die davon eingingen, sind längst ausgestorben. Hunde besitzen immer noch dieselben Fähigkeiten wie andere Karnivoren; ihr Magen-Darm-System und ihre Immunabwehr sind hervorragend dafür gerüstet, um mit diesen Bakterien fertig zu werden. Sie stellen ganz einfach kein Problem für sie dar, egal wie bedrohlich sie auch für Menschen sein mögen. Aber diese Tatsache außer Acht zu lassen, dient als wirkungsvolle Panikmache, die sich die Gefühle der Menschen und ihre Angst vor Krankheiten zunutze macht – dennoch ist dieses Thema für unsere Hunde ganz und gar ohne jegliche Bedeutung!

„Wölfe in der Natur leben nicht so lang wie Haushunde“.

Das stimmt – aber das liegt nicht an ihrer Ernährungsweise. Todesursache Nummer eins für einen Wolf lautet, von einer Gewehrkugel getroffen zu werden. Nummer zwei, von seiner eigenen Beute getötet zu werden. An dritter Stelle steht Verhungern (hauptsächlich bei Welpen). An vierter Stelle Gift, das von Menschen ausgelegt wurde. Wölfe sterben nicht an Fehlernährung. Aber das Fehlen einer tierärztlichen Versorgung von Wunden, die sie sich bei Unfällen zuziehen, spielt sicherlich eine bedeutende Rolle…

Die Liste dieser „Scheinwahrheiten“ ist sehr lang – aber ich glaube, ich habe klargemacht, worum es dabei geht.

Ach ja – nur noch eine Kleinigkeit, auf die hier unbedingt hingewiesen werden muss: die Tierärzte! Sicher, was soll mit ihnen sein? Wussten Sie, dass sie während ihres Studiums nichts über die Ernährung von Karnivoren lernen, abgesehen von einer freiwilligen Nachmittagsveranstaltung mit einem Vertreter eines Heimtierfutterherstellers? Aber genau das ist der Fall. Lassen Sie sich nicht von ihrem „Fachwissen“ täuschen. Ihre Ansichten über dieses Thema sind kein bisschen fachkundiger als Ihre eigenen. Wenigstens bemühen Sie sich darum, sich ein Verständnis hierfür anzueignen, und Sie verdienen (höchstwahrscheinlich) kein Geld an Menschen, die an etwas glauben, das ihren Haustieren in Wirklichkeit gesundheitliche Nachteile einbringt…

 

Wie lautet die Alternative?

Erlauben Sie mir zunächst folgende Frage: Wenn der Preis für Rindfleisch so stark fallen sollte, dass es billiger wäre als Heu, würden Sie dann darüber nachdenken, Ihr Pferd mit Rinderhack zu füttern?

Nein? Wieso nicht? Gäbe es noch andere Dinge dabei zu beachten als Geld?

Natürlich! Sie wissen, dass Rinderhack kein natürliches Nahrungsmittel für Pferde darstellt, daher besteht wohl kaum die Aussicht, dass es gesund für sie sein könnte. Es käme Ihnen auch niemals in den Sinn, eine Schlange, die sich ausschließlich von lebenden Nagetieren ernährt, mit Müsli zu ernähren, oder?

Warum in aller Welt ziehen Sie es dann auch nur in Erwägung, Ihrem fleischfressenden Begleiter eine Kost vorzusetzen, die zu 65% aus Kohlenhydraten aus Getreide besteht, wenn diese Kohlenhydrate auf seiner natürlichen Speisekarte doch überhaupt nicht vorkommen? Und was ist mit dem ganzen Haufen anderer, nicht näher angegebener unnatürlicher Bestandteile, die ebenso wenig jemals als Nahrung für einen Karnivoren gedacht waren?

Und wie ist es um die ganze Abwechslung bestellt, die ein Wolf genießt, und mit der er gedeiht? Woher soll Ihr Hund das bekommen? Würden Sie tagein, tagaus immer dasselbe essen, wenn auf der Tüte „Premiumnahrung für Menschen“ stünde?

Ja, dieses Thema IST im Kern so einfach! Es gibt keine Ausrede für intelligente Menschen, weiterhin diese Lügen zu unterstützen, die besagen, dass Hunde als Hauptzutat ihrer Nahrung Kohlenhydrate erhalten sollten, ganz gleich welcher „Wissenschaftler“ dafür bezahlt wird zu behaupten, dies sei „gut für den Hund“.

Aber selbst ein Massenmörder kann unter Umständen ein Körnchen Wahrheit von sich geben. Und, wie bereits erwähnt, haben die Heimtierfutterhersteller in einem Punkt durchaus recht, wenn sie darauf hinweisen, dass es nicht ganz so einfach ist, eine natürliche, selbst zusammengestellte Kost zu verfüttern, wie Trockenfutter aus einer Tüte in den Napf zu schütten. Wenn Sie meinen, eintöniges Trockenfutter mit ebenso eintönigen Hühnerflügeln ersetzen zu können, werden Sie bald eine ordentliche Summe bei Ihrem Tierarzt lassen müssen, um die Gesundheit Ihres Hundes wiederherzustellen.

Aber die Wahrheit lautet, dass die dazu erforderlichen Kenntnisse, auch wenn sie üblicherweise nicht Teil der Tierarztausbildung sind, dennoch zur Verfügung stehen. Es gibt eine Vielzahl von Büchern, Online-Foren und Menschen, die über beträchtliche Erfahrung verfügen, von denen Sie die Grundlagen lernen können. Einen guten Ausgangspunkt könnten Sie hier finden:

Die Ernährung mit roher, natürlicher Nahrung ist nicht „die verrückte, neue Modeerscheinung, der wir widerstehen sollten“. Dies gilt vielmehr für die Verwendung von Trockenfutter!

 

Die angemessene Schlussfolgerung, die es aus diesem Skandal zu ziehen gilt

Tatsächlich gibt es heute auch zahlreiche kleine Betriebe, die gefrorene rohe Nahrung für fleischfressende Haustiere anbieten. Sie führen sicherlich ein abwechslungsreiches Sortiment und ermöglichen es jedem Haustierbesitzer, „echte Nahrung“ für seine Begleiter zu beziehen, falls Ihnen die Preise für rohes Fleisch in Ihrem Supermarkt vor Ort nicht zusagen sollten.

Aber Sie werden bemerken, dass nur sehr wenige davon (oder gar keine?) behaupten, dass irgendeines ihrer Produkte „vollständig ausgewogen“ wäre oder „alles enthält, was Ihr Hund benötigt“. Ist Ihnen jemals ein menschliches Nahrungsmittel untergekommen, das eine solche Aussage auf dem Etikett machen könnte? Wieso erwarten Sie das dann bei Hundefutter? Glauben Sie wirklich, dass über die Ernährung von Hunden mehr bekannt ist und sie besser erforscht wurde als die menschliche Ernährung?

Hunde sind auf Abwechslung angewiesen, genau wie wir auch. Es gibt keine einzige natürliche Nahrungsquelle, die alle Ernährungsbedürfnisse abdeckt. Das gilt sowohl für Hunde als auch für Menschen. Längerfristig gesehen, müssen wir uns mithilfe von Abwechslung um Ausgewogenheit bemühen.

Die Kehrseite lautet natürlich, dass ein wenig Fortbildung und etwas zusätzliche Anstrengung in der Planungs- und Einkaufsphase von nöten sind.

Aber wäre Ihr Hund das nicht wert?

Ganz ehrlich, wenn Sie ernsthaft mit „nein“ geantwortet haben, sollten Sie diesen Hund gar nicht haben!

Daher lauschen Sie jetzt Ihrer eigenen Stimme, wenn Sie folgendes Mantra laut lesen: Ich werde niemals wieder unnatürliches Fertigfutter für meinen Hund kaufen. Ich bin entschlossen zu lernen, was mein hündischer Begleiter in Sachen gesunder Ernährung und Fütterung wirklich benötigt, und ich werde meinen domestizierten Wolf im Einklang mit seiner Natur ernähren, so gut es mir möglich ist, und nicht im Einklang mit der kommerziellen Werbung und Ausbeutung.“

Danke! Sie haben die richtige Schlussfolgerung aus diesem Heimtierfutterskandal gezogen, indem Sie das eigentliche Problem angehen und nicht nur die Spitze des Eisbergs.

Nur noch eines zum Schluss: Bitte helfen Sie anderen Haltern von karnivoren Haustieren, indem Sie ihnen die URL für diesen Artikel weitergeben oder die PDF-Version ausdrucken und für sie kopieren. Ihre Tiere verdienen es, egal ob es sich um Katzen, Frettchen, Füchse, Reptilien, Falken oder irgendeine andere fleischfressende Tierart handelt.

 

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Mogens Eliasen führt den Titel eines Magisters in Chemie (Mag. Scient., vergleichbar einem Ph.D. in den USA), den er an der Århus Universität in Dänemark erlangte, und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Hunden, Hundebesitzern, Hundetrainern und ganzheitlich orientierten Tierärzten als Trainer, Redner und Entwickler von Erziehungssystemen. Als Autor hat er mehrere einzigartige Bücher über Hunde und verantwortungsvolle Hundehaltung verfasst, die unter www.k9joy.com erhältlich sind. Er ist Herausgeber eines Rundschreibens „The Peeing Post“ („Der Pinkelpfosten“), das jede Menge Tipps und Ratschläge zu Hundeproblemen aller Arten enthält, insbesondere zu den Themen Training, Verhaltensprobleme, Ernährung und Gesundheitsfürsorge. Wenn Sie sich für weitere Informationen über Mogens Eliasen interessieren, einschließlich Links zu anderen Artikeln, die er veröffentlicht hat, senden Sie bitte eine kurze Email an contact@k9joy.com.

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Ins Deutsche übersetzt von Patricia Feldner