Update: 12. August 2016 – Gebiss und Zähne im Wachstum eines Welpen


GEBISS UND ZÄHNE IM WACHSTUM

Merkblatt für Besitzer von Hundewelpen Gebiss und Zähne im Wachstum

 

Entwicklung

Das Welpengebiss hat 28 Zähne. Die Zähne wechseln im Regelfall zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat. Das bleibende Gebiss trägt 42 Zähne (im Oberkiefer respektive Unterkiefer je 6 Schneidezähne, 2 Eckzähne, 4 vordere Backenzähne und 2 respektive 3 hintere Backenzähne). Der Zahnwechsel soll rasch erfolgen, wobei der bleibende Zahn den Platz des ausgefallenen Milchzahnes einnimmt.

 

Abbildung 1: Anordnung und Bezeichnung der Zähne bei einem Hund nach dem Zahnwechsel

Abbildung 1: Anordnung und Bezeichnung der Zähne bei einem Hund nach dem Zahnwechsel

 

 

Normale Gebissstellung

Ein normales Gebiss wird an 4 Merkmalen erkannt: (1) Die Oberkieferschneidezähne stehen vor den Unterkieferschneidezähnen, (2) die Oberkiefereckzähne stehen hinter den Unterkiefereckzähnen, (3) die vorderen Backenzähne des Ober- respektive Unterkiefers stehen auf Lücke, (4) der Oberkiefer ist breiter als der Unterkiefer, wobei sich die Reisszähne P4 und M1 seitlich berühren.

 

Abbildung 2: Normaler Kieferschluss beim Hund (Zeichnung Mattias Haab)

Abbildung 2: Normaler Kieferschluss beim Hund (Zeichnung Mattias Haab)

 

Zahn- und Gebissfehler im Milchgebiss und deren Behandlung

Zu kurzer Unterkiefer:

Zu kurze (oder zu lange) Unterkiefer haben meist einen genetischen Hintergrund. Bei starken Verschiebungen (zB 10 mm bei einem 10 kg Welpen) ist nicht damit zu rechnen, dass im bleibenden Gebiss eine Normalisierung eintritt. Sofern die Zähne ihren Weg an denjenigen des gegenüberliegenden Kiefers vorbei finden, muss man nichts unternehmen. Die Ausnahme sind Unterkiefereckzähne, welche schmerzhaft in den Gaumen stechen. Sie sollten so rasch als möglich in Kurznarkose gezogen werden. Die Löcher heilen schnell zu. Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass durch das Ziehender  Milchzähne und Wegfall einer Bremswirkung durch Einhaken im Kiefer ein kompensatorisches Wachstums des Unterkiefers einsetzen würde.

Eng stehende Unterkiefereckzähne:

Die Eckzähne können in den Gaumen stechen und Schmerzen verursachen (siehe oben). Eine rasche Entfernung macht Sinn, denn der Zahnwechsel ist mitunter noch lange nicht erreicht. Auf jeden sollten Welpen mit Unterkiefereckstand nach dem Zahnwechsel im Alter von 5-6 Monaten nochmals in der Tierarztpraxis vorgestellt werden, weil es gut möglich ist, dass auch die bleibenden Zähne eng stehen werden.

Abgebrochene Zähne:

Alle Zähne haben ein Zahnmark. Es ist reich mit Blutgefässen und Nerven versorgt. Ein abgebrochener Zahn mit Eröffnung des Zahnmarkes tut also nicht nur weh, sondern erlaubt auch das Aufsteigen von Bakterien, welche später in den Kieferknochen gelangen können. Sofern der Zahnwechsel noch in mehr als 2 bis 3 Wochen zu erwarten ist (also Welpen bis ca. 20 Wochen), ist die Extraktion des Zahnes sehr zu empfehlen. Bei kurz vor dem Wechsel abbrechenden Milchzähnen oder Nichteröffnung des Zahnmarkes kann nach Beratung und Aufklärung über Vor- und Nachteile des Eingriffes und Narkose durch die Tierarztpraxis allenfalls auf eine Extraktion verzichtet werden.

 

 

Zahn- und Gebissfehler im bleibenden Gebiss und deren Behandlung

Die Michzähne sind stehen geblieben: Milchzähne sollen ausfallen, bevor die bleibenden Zähne stossen. Insbesondere bei den Eckzähnen kann dies zu gravierenden Konsequenzen führen, weil der Milchzahn die Position hält, welcher den bleibenden Zahn gehört. Damit stösst der Unterkiefereckzahn zu weit innen und bohrt sich in den Gaumen und stösst der Oberkiefereckzahn zu weit vorne, womit er dem unteren Eckzahn dort keine Lücke lässt. Diese Fehlstellungen sind zwar nicht erblich bedingt, sind aber – wenn zu spät erkannt – nur mit hohem Aufwand und Kosten zu korrigieren. Als Konsequenz daraus sollte man Milchzähne, welche mehr als 7 Tage persistieren, vom Tierarzt ziehen lassen.

 

 

Zu kurzer Unterkiefer:

Das Problem ist meistens vererblich. Eine Züchtung mit diesem Hund ist nicht zu empfehlen. Wegen des schmalen Unterkiefers drücken die Unterkiefereckzähne manchmal in den Gaumen und hinterlassen dort schmerzhafte Eindrucke. Falls die Zähne erhalten werden sollen, können die nach aussen bewegt werden durch Drücken mit dem Daumen oder durch spezielle Aufbisschienen. Je früher damit begonnen wird, desto einfacher lassen sich die Eckzähne in eine korrekte Position bringen. Selbstverständlich kann man die Zähne auch kürzen oder ziehen. Ihre Tierarztpraxis gibt Auskunft oder verweist Sie zu einem Spezialisten.

Zu langer Unterkiefer: 

Auch hier ist das Problem vererblich. Wegen der nicht störenden Unterkiefereckzähne, welche vor dem Oberkiefer frei liegen, ist eine Behandlung in den meisten Fällen nicht nötig. Diese Kieferstellung ist Rassemerkmal bei z.B. Boxer, Bulldoggen, Mastiffs usw.

 

 

Ein Unterkiefereckzahn drückt in den Gaumen: 

Die Ursache für den Engstand ist meist ein zu lange drin gebliebener Milcheckzahn. Er hat dem bleibenden Zahn seine äussere Stellung verweigert. Falls das Problem vor dem 7. Lebensmonat erkannt wird, ist eine manuelle Korrektur mit dem Daumen möglich. Dabei muss der Zahn mehrfach täglich mit sanftem Druck nach aussen (und eventuell vorne) bewegt werden. Falls dies nicht gelingt oder die Schiebung zu weit wäre, kann man den Zahn ziehen, kürzen oder ihn mit Aufbisschienen schieben lassen. Ihre Tierarztpraxis oder spezialisierte Tierärzte beraten Sie gerne.

 

 

Ein Zahn ist abgebrochen: 

Hunde können auch mit weniger als den vollständigen 42 Zähnen gut leben. Deswegen kann jeder Zahn nach Bruch gezogen werden. Falls der Erhalt aber gewünscht wird (was vor allem bei den Eckzähnen der Fall ist), sollte bei jungen Hunden innert 24 Stunden geprüft werden, ob das Zahnmark eröffnet ist oder nicht. Ein eröffnetes Zahnmark verlangt gerade bei Welpen und jungen Hunden eine rasche erste Behandlung mit Schmerzmitteln und Antibiotika. Letztere schützen das Zahnmark vor Infektionen. Anschliessend muss innert 72 (allenfalls 96) Stunden eine professionelle Zahnbehandlung stattfinden. Wenn das Zahnmark überleben kann, wird auch die Wandstärke des Zahnes weiter zunehmen. Bei Welpen ist nämlich die Zahnwand meist noch wenig ausgebildet. Ist eine Rettung des Zahnmarkes nicht
5 möglich (wenn zum Beispiel zu lange gewartet wird), muss es gezogen und ersetzt werden. Das Zahninnere ist dann tot und die Zahnwandstärke nimmt nicht mehr zu.

 

 

Zu viele Zähne: 

Zu viele Zähne sind nur dann ein Problem, wenn zwischen ihnen Futterreste und Plaque hängen bleiben. Es entsteht dann eine Parodontalerkrankung mit Zahnfleischentzündungen. Bei erst bester Gelegenheit wird man sie ziehen.
Es fehlt ein Zahn: Fehlende Zähne sind entweder nicht angelegt worden oder ausgefallen. Um den Nachweis eines ausgeschlagenen Zahnes (zum Beispiel für die spätere Zuchtverwendung des Hundes) anzutreten, muss unmittelbar nach dem Unfall ein tierärztliches Zeugnis mit Röntgenbild angefertigt werden. Die Zahnwurzeln werden nämlich bald aufgelöst und sind nach einigen Wochen nicht mehr sichtbar. Nicht angelegte Zähne sind ansonsten kein Problem für das Kauen und den Gebissschluss, führen nicht zur Verschiebung anderer Zähne und dürfen nicht ersetzt werden. Bei gewissen Rassen führen zu viele fehlende Zähne zum Zuchtauschluss.

 

 

 

Daniel Koch, Dr. med. vet. ECVS, Diessenhofen, www.dkoch.ch


 

 

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